Band 
Zweiter Theil.
Seite
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oder Schreiben einer Dame vorn Lande, zy

Koketterie oder geläuterte Eitelkeit, wie Sie das Mitleidenwohl eher genannt haben: so bin ich dergestalt daraufge-kommen, daß ich alles Geld, was ich nur ersparen kann,zu Befriedigung dieser meiner Fantasie anwende, und selbsteine große Prinzeßin nicht bedauert habe, um mir dafürLas süße Schauspiel der empfindlichsten Dankbarkeit vonsechs Armen zu verschaffen.

Doch verschmäh« ich auch das Vergnügen nicht, biswei-len einem Dutzend armer Hexen eine dankbare Rührungabzusagen, und mich daran zu ergötzen. Vor acht Tagenkam mein Kamme, madgen ganz außer Odem gelaufen undrief:—Gnädige Krau, Gnädige Frau! — Nun, Char-lotte? — Ja aufdem Boden! — Nun was denn aufdemBoden? — Da da liegt noch eine ganze Kammer vollFlachs und die armen Leute haben nichts zu spinnen, weilleider auch das Flachs im vorigen Jahre nicht gerathen.In meinem Leben habe ich keine angenehmereZcikung gehört»ich lief mit dem Mädchen auf den Boden, wie eine Närrin,hielt allen meines Mannes Tanten und Großtanten, dieLas Flachs gesammelt hatten, «ine Etandrede, und manmußte mir dasselbe miteinander in die Scheurc bringen.Hier lies ich all« Weibsleute aus dem Dorfe zusammenkom-men, und theilte das Flachs ungewogen und ungezählt un-ter sie auö. Nun das war eine Freude! Aber denken Sie,die guten Weibsen bringen mir daS Garn dafür wieder,und verlangen kein Spinnegeld, nachdem ich sie bereits mitKorn versorget habe. Ist das nicht auch süß? und kanndiese schmeichelhafte Dankbarkeit, vbncrachtet sie nicht vonMännern kömmt, nicht immer mit angenommen werden?Der Begierde zu gefallen entwischt nichts, und selbst meinenVogel habe ich doppelt lieb, weittec mic und keinem andernzustiegt.