Band 
Zweiter Theil.
Seite
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Schreiben eines Kornhandlers.

ne Hoffnung von neuem belebte; so oft ein Hagel in derLuft, ein Honigkhau oder ein Heer von Mausen bessereFeiten verkündigte: so war es doch als wenn die MenschenSiegel und Briefe von Gott hatten, daß die Erndte so gutwie geschehen, ausfallen würde; keiner meldete sich um einenScheffel, und so sitze ich nun mit einem Capital von vierzigtausend Thaler unter der offenbarsten Gefahr, wenigstensfünfzig Procent darauf zu verlieren. Wäre die Erndte nichtso gut: so würde ich Geld borgen, um den Preis noch einJahr in der Höhe zu erhalten. Allein diese Unternehmungist zu groß für mich, und wir haben so lange theure Zeitengehabt, daß ich besorge, wir werden nun zwanzig reicheErndtcn nach einander haben.

Zwar fehlt es nicht an Tröstern, die mir sagen, eswürde bereits stark nach Frankreich aufgekauft, der Roggenstreue nicht gut und habe entweder vom Frost oder vomMehlthau gelitten; die Mäuse hätten in verschiedenen Ge-genden eine ganze Verheerung angerichtet; der Weitzenwerde sehr abfallen, der Buchweitzcn habe sich nur demScheine nach erholet; und die Eichelmast sey ganz ver-schwunden. Meine eigne Erfahrung sagt mir aber das Ge-gentheil, und das Korn ist so reichlich gewachsen; dieSsmmerfrucht ist so vortreflich ausgefallen; die Buchmastist dermaßen stark; das Heu ist so gut eingekommen; dieBohnen, Kartoffeln und Erbsen haben so wie das Obst soreichlich gesetzt, daß jene kleinen Ausfälle gar nicht in Be-trachtung kommen können.

Hätte es indessen das Glück oder Unglück gewolt, daßwir eine schlechte Erndte und einen abermaligen Mangelerlebt hatten: wie groß würde nicht wiederum mein Ver-dienst um das Vaterland geworden seyn! Sechs tausendMalter, die ohne mein Aufschütten vielleicht zu schlechten!

D 4 Weine