54 Schreiben eines Kornhändlers.
Mein ich that es nicht: ich zahlte vielmehr selbst diesenarmen Leuten einen billigen Preis für ihr Korn, »m allenplötzlichen Fall zu verbüken und meinen eignen Dorrathdamit im Preise zu erhallen. Und solchergestalt kann ichmit vollkommenster Wahrheit behaupten, daß ich allen undjeden, die zwischen Michael und Weihnachten verkauft, zweyThaler medr für das Malter geschafft habe, als sie erhaltenhaben würden, wenn ich nach der unbesonnenen Forderungdes gemeinen Geschreyes mit meinem Korn den Markt be-schickt, und den Fleiß des Ackerbaues zum Raube der Städ-ter gemacht hatte.
Don Weihnachten bis Ostern verkaufte schon der ver-mögende Landmann; der Preis fleug an zu sinken, und esfehlte nur noch an Einem Lotbe, um den Ausschlag auf derWaage zum Nachtheil der Kornhandlung hervor zu brin-gen; meine Freunde rietben mir, ich sollte jetzt auch verkau-fen; ich sollte zeigen, daß ich ein Patriot und kein Kornjudewäre; ich sollte mir diesen verhaßten Namen nicht zuziehen.Nein sagte ich, dies soll nicht geschehen; ich kann nicht ver-kaufen, ohne daß der Preis nicht in kurzer Zeit um 2 Tha-ler auf das Malter falle; der Markt wird überladen wer-den; und der Landmann, der jetzt verkaufen muß, erhältnicht was er verdient, wenn ich nur ein hundert Last los-schlage. Er bat voriges Jahr das Malter für 20 bis 24Thaler einkaufen müssen; es ist also billig und zu seinerRettung nothwendig, daß er dasselbe nicht brauche für 6Thaler zu verkaufen. Eine solche Strafe des Himmels willich ihm nicht zuziehen, mein Dorrath soll liegen, und ichwill sehen, was das nächste Quartal bringt.
Allein in diesem war keine Frage nach Korn; jeder hattesich nun versorgt, und so oft auch eine üble Witterung mei-ne