Band 
Zweiter Theil.
Seite
89
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Schreiben eines angehenden Hagestolzen. 89

Freund! wie hoch sich der Braukschatz bestes, wofür dieseEhestandslast getragen werden sollte? Auf 10000, schreibezehntausend Tkaler. Damit hatte ich vielleicht nicht einmaldie Uhren mit dem;» jeder gehörigen Hals-Kopf» und Ob-renschniuck bezahlen können; und was wäre mir denn fürsFlicken geblieben ?

Eine andre, die ich mir vorher ausgesehen hatte, warzwar inAnsehungdes Schmucks etwas billiger, und hattesich vielleicht mit einen! mittelmäßigen von Brillanten be-friediget. Allein ihre Schwester, die eben hcyrathctc, nahmder entbehrlichen Kostbarkeiten so viel; und ihre Eltern sa-hen mit einem so gefälligen Lächeln auf dasjenige herab,n as der künftige Herr Schwiegersohn mit seinem halbenRuin angeschaffet balle, daß ich mir nicht getranete, ihmin dicserBahn nachzurennen. Ihm kosteten seine Geschenkeg wiß dreytausend Thaler; und die Eltern hatten ohne Iwei-f.l noch mehr angewandt, um dicBraut mit einer neumodi-schen Garderobe zu versehen. Die guten Leute, dachte ich,werden Bankerott machen, ehe sie ihre Handlung anfangen.Denn ihr bcyderseitiges Vermögen, womit sie als Kaufleutehandeln wollten, lief nicht hoher wie der Brautfchatz meinerPcinzeßin mit den drey Uhren.

Meiner ersten Braut, da sie nachher so unglücklich ge-worden, will ich in allen Ehren gedenken. Sie hatte einhübsches Gesicht, ein unschuldiges Herz, und eine feine Er-ziehung. Was konnte sie dafür, daß ihre thörichten Elternsie gleich einer Person von dem vornehmsten Stande unddem größten Vermögen erziehen lassen, da sie ihr doch kei-nen Thaler mitgeben konnten? Gern hatte ich sie genom-men, wenn sie nichts, wie ihr gutes Herz und dabey einehäusliche Erziehung gehabt halle. Allein wenn ich an diegrausame Nothwendigkeit gedachte, ihr als einer vorneh-

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