Band 
Zweiter Theil.
Seite
90
JPEG-Download
 

§2 Schreiben eines angehenden Hagestolzen.

men Dame alles dasjenige geben zu müssen, was ihreErziehung und die fetzige Mode zu unentbehrlichen Bedürf-nissen gemacht hat: so getrauctc ich mir nicht die ganzeEhestandslast allein zu übernehmen. Bey der ersten Un-terredung traf ich sie in einer Gesellschaft von ihres glei-chen an. Sie sprachen von nichts als neuen Moden undGeschmack. Die eine wollte, wenn ich es recht verstanden,ä la locke, die andre ä >2 Henry quarre seyn; diese trugihr Kleid L la koiiiarovvsky, jene ä In Oucbelle ; dies StückhieS ein per en l'air, jenes ein kicbu; und dann trugen sieconilclcrauoris, pretenlions, pocdcs lle Paris, Lnkre llcu.x,Uelerincs, und ich weis nicht was alles. Gerechter Him-mel; dachte ich, und einen solchen kec en l'Lir sollst du zurFrau nehmen? — Doch die arme Hepe hat jetzt einenhübschen feinen und fristeten Mann, aber leider l ihr Du-chcssen - Kleid versetzt, um die Wchmutter und den Pfarrerzu bezahlen . ...

Solche traurige Erfahrungen sind es, worauf sichmeine Abneigung z»m Heyrathen gründet. Ich habe ei-nen guten Dienst, und wie mein Vater rechnete, ein ziem-liches Vermögen. Eine fromme und kluge Wirthinkönnte ich davon mit aller Bequemlichkeit unterhalten,aber keine Prinzeßin, deren Apanage nicht hinreicht, dasNadelgeld, was sie gebraucht, zu bezahlen. Sie sehenmich vielleicht für einen Liebhaber an, der ein bisgen nachGelde freyet, und weil er dessen nicht genug bekommenkann, dem Heyrathen entsaget hat. Kann man aber beydiesen verdorbenen Zeiten anders handeln? Und ist dieForderung überhaupt so unbillig, daß eine Frau so vielmitbringen soll, als sie zum Unterhalt ihres Putzes ge-braucht ? Handelt das Frauenzimmer nicht noch schlim-mer? Und ist unter taufenden auch nur eine einzige, die

nicht