Schreiben eines «»gehenden Hagestolzen, yr
nicht nicbr nach Equipage, nach Rang und Tittcl oder nachden Mitteln, woraus sie ibrcn Staat führen kann; alsnach einem ehrlichen Kerl freyet? Nenn sie mir dieseeinzige, und vielleicht bedenke ich mich noch.
Woher rührt aber dieses Verderben unsrer Feiten, die-ser Fluch, der so manchen redlichen Mann und so man-ches gute zärtliche Mädchen zum ledigen Stande ver-dammt ? Gewiß von nichts anders als der Thorheit der El-tern. Die Mutter, die nur ein seidnes Band oder einLncre cieux bezahlen kann, schmückt gleich ihr kleines Cben-bildgen damit aus; es muß von unten bis oben gemützertund geflützcct seyn, und mit den Jahren ist das Mädgcnmit allen kostbaren Moden dermassen bekannt und so darangewöhnt, daß sie nach dem ordentlichen Laufe der mensch-lichen Handlungen gar nicht davon zurückkommen kann;und was wird zuletzt daraus? .... Sie «lögen es ra-then. Unter den vielen unglücklichen Personen in denHauptstädten sind nur wenig ihrer Neigung, die mehrstenaber der Eitelkeit zum Opfer geworden, die ihnen einethörichte Mutter auf das sorgfältigste eingepräget hatte.Anstatt ihre Kinder herunter zu halten, sie bey andern inDienste zu geben oder sie zu häuslicher Arbeit zu gewöh-nen, müssen sie immer in dem Strudel der Moden schwim-men, und zuletzt auch darinn versinken.
Haben die Eltern vollends ein paar tausend Thalermitzugeben: so wird das Köpfgen der künftigen Markisinso hoch frij'.rt, und das Näsgen so zugespitzt, daß es kei-ner als ein eben so albernes Rarrgcn wagt, ihr Herzdurch seinen Krep zu rühren; und mit ihr ein prächtigesElend zu bauen; oder sie wird grau in schmeichelnden Er-
war-