Band 
Zweiter Theil.
Seite
220
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22o Schreiben eines reisenden Franzosey

GKBHBSKKNNHHSVKKHKHHKKBHSXI. VI.

Schreiben eines reisenden Franzosen ay

seinen Wirth in Wesiphalen.

/^ott sey Lob und Dank, daß ich doch endlich wiederbier und einiger Maaßen bey balbmenschlichcn Ge-schöpfen bin; denn in H. . . hat doch einer oder andredie Seine gesehen, oder im Parterre pfeifen gehöret. Aberbey euch in Wesiphalen, ist das ein Wust von runden ehrli-chen Leuten, die man ohne Schaden nach dem Gewichteverkaufen könnte; man erstickt bey eurer vielen Gesundheit,und eure sogenannten Damen haben eine Phyfionomie, wo-bey einem angst und bange werden sollte, wenn sie nichtzum Glück für uns vernünftig waren. Sie haben nichtsdem sanften Gelispel, nichts von der zärtlichen Mattigkeitnichts von der zitternden Empfindsamkeit, und überhauptnichts von der unaussprechlichen Morbidezza, welche die ge-ringste Bürgerfrau in Paris sich so oft sie will zu geben weis.Das feine Sonderbare, dre künstlichen Launen, die schlauenQnalereyen, und alle die kleinen allerliebsten Spitzen, womitdas andre Geschlecht bey uns eine rechte Zauberkraft aus-übt, sind ihnen eben so unbekannt, als unsre schwebendenRuhebettgen im coscnfarbigen Sommercablnct. Sie lach-ten sogar über die letztem, wie ich ihnen einmal einen Be-grif davon gebe» wollte, und glaubten, welche Einfalt.' mankönnte bey gewissen Vorfallen wohl von Natur schamrokhwerden, ohne eben nöthig zu haben, das Licht durch rotheVorhänge fallen zu lassen, und mit diescni Widerscheine ei-nem leichtfertigen Falle das Ansehen einer überwundenenTugend zu geben. So entfernt seyd ihr noch von den herr-lichen