252 Den Geckorden sdllte man wieder:e.
Wenn man die Vergnügungen der Zeit, worinn dieserhohe Styl der Kunst stets frölich zu seyn herrschte, nur eini-germassen überdenket: so wird man die Würkungen davonleicht ercatkcn. Auf unsern Ballen werden die Paare durchsLoos gezogen; und diese sogenannten Glückschen erhöbensicher den guten Ton, geben zu manchem schönen EinfalleAnlaß, und füllen das Leere aus, was der Klang grosserGlaser niemals erfüllen will. Was hier diese Glückschenthun, das thaten wahrscheinlich jene Verbindungen in einemhöbcr» Maaße. Es mußte nothwendig die Gesellschaft leb-haft machen, wenn jeder Dichter seiner Dame öffentlich sa-gen durfte,waserbkyihrcmAnblick fühlte; und wenn dieseihm in eben dem Tone antwortcnkonnte, JedesAuge mußteh stecer, jeder Mund beredter, und jeder Einfall leichter seyn,als jetzt, wo der Mann seiner Frau gar nichts, der Lieb-haber aber seine Schmeicheleien nur heimlich sagen darf.Die heutigen Cicisbem sind vermuthlich ein Uebcrblcibsel je-nes SkylS; aber auch nur Schatten gegen den grossen Geistdes alten Costums, Es ist mit diesem, wie mit dem Pfand-spiele gegangen, wobey man sich etwas ins Ohr sagen muß.Der Erfinder desselben, Wilhelm Adhcmar, einLieblmgdesKaisers Friedrichs des Ersten, und der Anbeter der Graflnvon Die, hatte eine weit höhere Absicht damit verknüpft a).
Man muß sich aber wohl hüten, daß man die Freudegeschlossener Gesellschaften nicht mit der allgemeinen ver-wechsele. Die zünftige Geckhcit war von ganz andrer Be-schaffenheit,als die »»zünftige,oder »»geschlossene; zuclcjtecnArt gehören die sogenannten Narren- und CselSfeste, welche,weil sie an keine Ordensregeln gebunden waren, bald ver-wilderten. Dir Gcckorden und Narrcnfeste, ohnerachtctsie Du llallivr zusammen gefügt hat, haben gar nichts miteinander gemein.
^Vl.
») fein ä« t. c. S. 4.6.