Band 
Zweiter Theil.
Seite
268
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268 Nachricht von einer einheimischen,

L.X.

Nachricht von einer einheimischen, be-

ständigen und wohlfeilen Schaubühne.

Endlich bin ich mit meiner hiesige» Schauspielergesell-schüft fertig. Die zwölf armen Waisenkinder, die ichmir vor zehn Jahren von unserm Fürsten dazu ausgebetenhabe, sollen diesen Winter zum erstenmal öffentlich erscheinenund für Geld spielen, und wie ich hoffe, alles in Entzückungsetzen. Einige unter ihnen singen dabey vortreflich undfast alle tanzen gut. Es hat freylich Mähe und Arbeit ge-kostet, sie zu dieser Vollkommenheit zu bringen. Ich hoffeaber dem Staate einen wesentlichen Dienst auf ewig gelei-stet zu haben. Es sind schon viele Mütter bey mir gewe-sen, die mir ihre Kinder in gleicher Absicht anbieten, undder Geist dieser Anstalt kann sich nie wieder verlieren, solange die Menschen ihr Vergnügen lieben.

Einer von ihnen ist bey dem Fürsten als Hoflakey imDienste; ein andrer nährt sich als Mahler; noch einer istKupferstecher und alle haben ein Handwerk dabey gelernt,wovon sie zur Noth ihr Brod haben können und zum Theilauch suchen sollen. Die Madgen sind geschickt in allerleyArten von Arbeit, daß sich ein jeder in sie verliebt, und siesind so gut erzogen, so fest in ihren Grundsätzen, daß ichin der Folge weniger für sie, als für andrer ehrlicher Leu-te Töchter, besorgt bin. .

Anfangs hielt es etwas schwer sie zu formen. Alleinwie sie nur acht Tage auf eine fcine'Art gekleidet gewesenwaren, brauchte ich einem widerspenstigen nur die Kleiderausziehen und ihm sein voriges Gewand wieder anlegen zu

lassen: