Band 
Zweiter Theil.
Seite
302
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ZOL Wie viel braucht man, um zu leben ?

auf jede Person auch mir jährlich zwanzig Thaler rech-ne, und so viel bewilligte man doch wohl zum Unter-halte eines Fündlings; so wäre es offenbar, daß erdamit nicht auslangen könnte; er müsse also notbwen-dig ein Betrüger werden, oder als ein ehrlicher Mannverhungern...

Der Fürst ließ sich endlich bewegen, demselben jährlichdreyhundcrt Thäler zu geben, ohnerachtet die Accise an demThore, wo der Thorschrciber stand, nicht völlig tausendThaler des Jahrs einbrachte, und der Schreiber solcher-gestalt über dreyßig Procent von der Einnahme erhielt. Werwar froher als der Thorschrciber? Seine Frau, welchebisher nur Kontuschcn getragen, legte sich eine Adrienne zu,die Töchter wurden Mademoiselles geheißen, und die Söh-ne musten als Kinder eines grossen fürstlichen Bedientenzum studiren angehalten werden. Kaum aber hatte dieseVeränderung einige Jahre bestanden: so war der Thor-schreiber in Schulden, und stellcte abermals vor:

Es sey schlechterdings unmöglich, daß er mit dem ihmgnadigstbewilligtenGchalt auskommen könte. Höchst-dieselben würden gnädigst erwegcn, daß, wenn ernur einigermassenStgndesmLßig leben sollte, auchdersparsamste Bediente von seinem Stande damit nichtausreichen könnte. Der Unterricht seiner Kinder,welche doch nach ihrem Stande studiren mästen,nehme wenigstens das dritte Tbeil seines Gehalts weg,und da der älteste bald auf die Universität mäste: sowürde dieser allein den Ueberrest seines Gehalts ver-zehren ....

Der Fürst legte hierauf seinen Ministern die Frage vor:ob er keinem seiner Bedienten eine Zulage geben könnte,ebne zugleich eine Standeserhöhung zu veranlassen? DieMinister antworteten:

ES