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Legenden der heiligen Pelagia / herausgegeben von Hermann Usener
Entstehung
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Die philologische weit, bei der ein grammatisches anekdo-ton, auch das dürrste günstiger aufnahme gewiss sein darf, wirdeiner kirchlichen legende, und wäre sie die lieblichste no-velle, nur verächtlich begegnen und sie unbesehen in denwinkel stellen. Dem durchschnittstheologen kann man es nochweniger verargen, wenn er für legendenlitteratur kein intei'essezeigt, er hat eine instinctive abneigung gegen apokrypha: eswar am ende nicht so ganz unrichtig, wenn man auf der Ange-licana meine beschäftigung mit legendenhandschriften als preus-sische Spionage beargwöhnte. Das alles weiss ich und dochwage ich legenden der heiligen Pelagia ohne entschuldigungvorzulegen. Denn es scheint mir an der zeit, dass die phi-lologie auch diesen ausläufern des classischen alterthums auf-merksamkeit zuwende und sie zur aulklärung des ihr eigenengebiets verwerthen lerne.

Die christliche kirche konnte aus dem kampf gegen dieheidnische cultur nicht als Siegerin hervorgehn, wenn sie nicht,was alles in glauben und cultus dem volk ins herz gewachsenwar, selbst in sich aufnahm. Man wechselt das innerste nichtwie ein kleid. Die alten opferstätten konnten geschlossen,dem cultus gewaltsam ein ende gemacht werden: der alteglaube war unausrottbar und ergoss sieh mit der naturnoth-wendigkeit, mit der geschichtliche Wandelungen sich vollziehen,in die neuen formen, mochten die priester es in weiser politikbefördern oder nur dulden. Die versuche, heidnische Welt-anschauung mit den glaubenssätzen der neuen kirche auszu-gleichen, sind kaum jünger als die gründung der ersten ge-meinden auf heidnischem boden.

Ein grossartiger assimilationsprocess hat sich besondersim vierten jahrhundert vollzogen. Je weiter die tbore derkirche sich aufthaten um die wachsende menge neubekehrten