Buch 
Züge aus Thorvaldsens Künstler- und Umgangsleben / von Kammerassessor Carl Frederik Wilckens, ... ; nach der zweiten dänischen Ausgabe von Theodor Schorn
Entstehung
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arbeiten zu sehen als auch zu hören, wie er denBesuchenden seine Arbeiten erklärte. Ein besonderesVergnügen hatte Thorvaldsen daran, den Damendie Alter der Liebe" zu erklären und dann in einemscherzhaften Tone den jungen Damen neckend zuzeigen, wie begierig die Jugend die Hand nach denkleinen Amorinen ausstreckt. Wenn er dann an'sAlter kam, pflegte er zu sagen:Hier sehen Siemich! Die Liebe wird mir zu schwer." Bei derletzten Figur sagte er:Sehen Sie, nun fliegt siemir davon." Gewöhnlich widersprachen ihm dieDamen, die ihm versicherten, er werde immer geliebtbleiben. Er zuckte dann gewöhnlich die Achseln,drückte ihnen die Hand und sagte:Ich wollte, Siesprächen die Wahrheit!" Als Oehlenschtäger einesTages zugegen war und Thorvaldsens Erklärungmit anhörte, äußerte er:Das hältst du in dieLange nicht aus, lieber Freund; willst du mir wohlerlauben, dir behülflich zu sein?" Thorvaldsen ergriffseine Hand und sprach:Ich nehme es mit Dankan, mein lieber Freund, du als Dichter wirst es jaweit besser machen können als ich, zumal da du, wieich weiß, ein großer Dameusreund bist; doch Einsmusst du mir versprechen, du darfst mich nicht derGunst Aller berauben." Oehlenschläger erwiederte:Sei du nur ganz unbesorgt; es würde mir eineUnmöglichkeit sein, die Liebe, womit dich die Damenumfassen, erkalten zu machen." Nach einigen Tagenbrachte Oehlenschläger ihm eine in Versen abgefasste