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Wenn jemand eine scharfe Beurtheilung verdient,so sind es diejenigen Schriftsteller, die mit einer seichtten Gelehrsamkeit eine grosse Meinung von sich selbstbesitzen, die ihre Gedanken für neu, für wahr, für er-wiesen ausgeben, wenn sie schon alt, zweifelhaft oderfalsch find; die auf die Verachtung anderer sich selbstAltäre bauen, und deren gute Meinung von ihren eige»nen Verdiensten in die Gemüther der Leser, zum Scha-den der Wahrheit, einen Eindruck machen könnte.
Niemand aber ist weniger des Mitleidens würdig,als gelehrte Diebe, die mit der Frucht der bescheide-nen Arbeitsamkeit zu prangen suchen. Es scheint eineWicht zu seyn, thuenden fremden Schmuck auszuzie-hen und sowohl den Eigenthümern die verdiente Ehrewieder zu geben, als dem vermessenen Räuber seinenunverdienten Ruhm zu entreissen.
Sind wir den Menschen so viele Pflichten schuldig,so sind wir noch durch unendlich mehrere gegenGott ver-bunden. Die Ehre des obersten Wesens zu befördern,muß uns nicht eine kalte unwirksame Pflicht, es mußuns eine Lust, ein reizendes Vergnügen seyn. Solltenwir nicht gegen unsern wahren Vater eben so kindlich,eben so liebend, so treu und so ergeben seyn, als gegenunsere sterblichen, oft so fehlerhafte Eltern?-*)
').V»rrede»u den ghtttngischen gekehrten Leitungen v, Zahre 1747,