Buch 
Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
JPEG-Download
 

;66

»s

der Wahrheit und der Tugend sehr vieles beytragen.Auch hat er nicht als ein blosser Liebhaber , sondernals ein Philosoph geschrieben, und die Quellen tieferforscht, woraus das Schöne und das Rührende ent-springt , und er macht einen grossen Unterschied zwi-schen dem wahren Dichter, und demjenigen, der eineKleinigkeit fein auszufeilen, oder einen Reim mecha-nisch zu wenden weiß. Wir wollen blos bey derDichtkunst und der Beredsamkeit bleiben. Aeneis,ein sehr richtiges Urtheil. Aesthetik, ein tiefgedack-ter Artikel. Hr. S. scheint es am alexandrinifchen Versezu rühmen, wenn der Verstand von einer Zeile indie andere übergeht; aber die Franzofen, die diesesEnjambement vermeiden, finden keine Langwierigkeitin ihren langen epischen und tragischen Gedichten, undwir glauben das Enjambement sey nur alödann er-träglich, wenn der Verfasser in den Affekt gekommenist. Nahls Allegorie zu Hindelbank ist billig gerühmt,sie ist eigentlich die Geschichte selber ausgedruckt WasBatteux, und überhaupt die Franzosen sagen, manmüsse im Heldengedichte den Anfang in die Mitte brm,gen, in eine Nachahmung der Odyssee, in welcherUlysses den Phäaciern seine Abentheuer erzählt; denhaben alle andern epischen Dichter nachgeahmt. Inder Natur finden wir keinen Grund dazu, und Ho-mer selber hat es in der Jlias nicht gethan, in wel-cher die Geschichte Tag für Tag fortschreitet. Daßes die Franzosen den andern Völkern in der Auöarbei-