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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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machen. Seine Kinder, seine Eltern, feine Vrüder,seine Mitbürger, haben nichts von ihm zu fordern;jenen ist er keine Erziehung und Erhaltung, diesenkeine Ehrfurcht, und den übrigen kein Mitleiden,keine Dienste schuldig. So denkt jetzt ein Sfrai *);so werden taufende, so werden, wenn es ihm gelingt,alle Mensthen denken. Die Bande des menschlichenLebens w-rden alle aufs vollkommenste aufgelöset! Eswird zwar die Liebe zur Wollust noch eine beständigeund kurze Vereinigung beyder Geschlechter zuwcge-bringen; ein Priester des Pantheon wird vielleicht eineFormel zum Kebin zweyer gewisscnfreyer Philosophenvon beyden Geschlechtern sprechen, an welche sie sichnicht weiter gebunden erachten, als bis der Mann eineschönere Frau, und das Weib einen angenehmern Buh»ler findet. Die Namr wird ihre Wirkung behalten;es werden, wiewohl weit seltener, Kinder gezeugtwerden; denn die Erfahrung hat es bewiesen, daß dieeinkr Atheisterey ziemlich ähnliche allgemeine epikuri-sche Freyheit, so viel als irgend eine andere Ursache,zum Untergänge von Rom beygetragen hat, blosweil die gränzenlose Unzucht beyser Geschlechter fastallen adelichen Familien ein Ende, und insbesonderedie meisten Kayscr (fast den einzigen tugendhaften An-tonin ausgenommen) kinderlos gemacht hat. DieBrunst der Männer wird in ihren eigenen Kindern,in den natürlichen Schwestern, einen Reiz finden,

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*) Ofrai La Mettrie.