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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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höchsten, wenn er ein Werkzeug des Vergnügens sei-nes Fürsten ist. An keine milde Stiftung, an keinezur Verbesserung des Verstandes und der Sitten ab-zielende Anstalt ist zu gedenken. Warum sollte derFürst seinen Schatz anwenden, andere glücklich zumachen , die nicht er selber sind? Der Statthalter,der Feldherr, und die übrigen Obrigkeiten folgen,nach dem Masse ihrer Kräfte, dem Beyspiel ihresHerrschers, und der gemeine Mann muß den Preisbezahlen, womit die Grossen bey Hose ihre Straf-losigkeit bey ftstrer Unterdrückung erkaufen. Zudemwas ist ein Fürst, sagt sein atheistischer Feldhaupt,mann? Worauf gründet sich sein Recht? Wer hatmir befohlen ihm zu gehorchen? denn die Eide wärenbey einem Gottesleugner eben so lächerlich, als wennman jezt in Wien oder in Paris vor den Gerichtendie Leute beym Apollo und Neptun schwören liesse.Die Folge dieses philosophischen Beweises wird seyn,daß Gift und Schwert von allen Seiten nach demFürsten zielen wird; denn welcher Unterthan wird ihmsein Scrrail, seine schönen Pferde, und seine Lust-gärten gönnen ?

Werden ihn die Leibwachen schützen? Wird einzahlreiches und unter guter Mannszucht stehendesHeer seine unwilligen Unterthanen unter dem Jochehalten? Aber wer schützt ihn wider seine Leibwache,wider den beliebten Feldherrn etlicher Legionen, wi-der den Statthalter einer Provinz? Rom im dritten