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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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Glück zeigt, das werth ist, Wollust und Eigenliebezu verleugnen. Die Triebe, die im Körper nach Wol,lust, und in der Seele nach Ehre liegen, find nochstark genug unsre Trägheit zu stören; und die Offen-barung schränkt diese reißenden Ströme nur inDämme ein. Sie fahren fort zu stießen; fie tragennützliche Schiffe, aber sie verwüsten das Land nichtmehr. Es wird niemals zu befürchten seyn, daß eineWindstille in der Seele des Menschen entstehe. Ehr-sucht , Wollust und Geiz keimen mitten unter derSorgfalt der aufmerksamen Religion, und sie selberlehrt Pflichten, die uns zur Arbeit, und zur würdi-gen Bekleidung unsrer Bedienungen, verbinden.

Sind aber die christlichen Reiche mit tugendhaf-ten Menschen besetzt, frägt der Atheist? Sind dieHeiden nicht eben so gut gewesen? Ist China nichtunter einer atheistischen Herrschaft und Regierungein gesittetes und ordentliches Reich? und, ist diesesalles wahr, was rühmet man uns dann die Offen-barung, die den Menschen nicht besser macht? Wasschilt man auf den Unglauben, der uns nicht hin-dert gut zu seyn ?

Es ist an dem, Griechenland und Rom habenin verschiedenen Absichten Männer gczeuget, dieaus blosser Ehrbegierde, zum Vortheile ihres Va-terlandes, grosse Thaten verrichtet, tapfer gefochten,gerecht geurtheilt, herzhaft im Rathe gesprochen,und andere äußerliche, dem gemeinen Wesen nützliche

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