Z44
der feurigsten Liebe zu Gott nachgeahmet hat. Einegrosse und mächtige Sekte der Christen hat den Mord,und alle Arten der Verfolgungen, eben fo weit, undvielleicht weiter getrieben als die Römer; denn schwer-lich wird man in der Geschichte einen Tag finden,der dem Bartholomäustage an der Anzahl, dem Adelder Erschlagenen, und der Treulosigkeit der Mördergleich kömmt; einen Tag, den der angebliche Statt-halter Jesu mit Münzen, mit Jubelreden, mit allenmöglichen Freudenbezeugungen gutgeheissen und ge-weihet hat.
Es ist gleichfalls wahr, daß in den gereinigtenKirchen der Christen selbst, die menschlichen Lasterin einem hohen Grade herrschen. Es giebt Unzüchtige,Ehrsüchtige, Geizige, Ungerechte, in allen Ständenund in allen Gemeinen. Aber alles dieses beweisetfür die Gottesleugner nichts, und beweiset vieles für uns.
Der Aberglaube ist ein fast eben so abgesagterFeind der Religion, als der Unglaube. Dieser läßtdas menschliche Verderben frey, weil kein Gott istder es straft; und jener, weil sich Gott durch Cere-monien , durch fremde Verdienste, durch eine äusser-liche Anhängigkeit an eine wahre Kirche, gewinnenläßt. Beyde machen die Menschen zu bösen Schuld-nern gegen Gott. Der Atheist leugnet seine Schuld,und der Abergläubige will für Gold mit Papierbezahlen. Was gehen also die Religion die Folgen