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theidigung der Wahrheit an, und auf der erhaben-sten Stelle unter den Sterblichen könnten wir erlauchteVerehrer der Wahrheit nennen, vor denen Laster undUnglaube sich schämen muß.
Hat nun der Unglaube dieses alles unter demDrucke und im Finstern gethan, da noch eine Reli-gion bey vielen im Herzen, und äusserlich bey allengeherrschet hat, so kann man sich den Zustand einesReichs vorstellen , von welchem die Religion gänzlichverbannet, und init lauter neuen vorurthcilfreyenPhilosophen bewohnt ist. Rom unter dem Nero istein ziemlich ähnliches Vorspiel dieses Zustandes ge-wesen, obwohl die christliche, die jüdische Religion,und die stoische Weltweisheit, noch hie und da dieallgemeine Herrschaft des Verderbens in etwas ge-hemmt haben. Und doch hat schon damals der nochscltene Liebhaber der alten römischen Tugend sich sorg-fältig gehütet, etwas davon merken zu lassen, daß erfür diese verhaßte Lehrerin einige Hochachtung behal-ten hätte. Er konnte der Furcht nicht widerstehen,mit seiner Anhängigkeit an die Tugend sich einemallgemeinen Gelächter bloszusetzen.
Es ist also unser Streit mit den Freygeistern nichteine blosse theoretische Zwistigkeit, ein Krieg über denvollen und leeren Raum, wobey der Irrende eben sorechtschaffen bleiben kann, und der Rechthabende kei-nen nähern Weg zur Tugend erwählt. Es ist ein