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/. Wein, v Schenke, das reine, das himmlische Gut bring her!
Flüssige Flammen und slammenhaltende Flut bring her!
Wein, der jeglichen irdischen Harms Medicin und Trost,
Der mechanische Wunder, unendliche, thut, bring' her! u. s. w.
(G. Fr. Daumer, Hafis.)
Diese kretischen Reime finden sich bei Rückert häufig z. B. in der Poesieam Feste:
Man unterhielt auf's Beste sich,
Man scherzte, lachte,
Glückwünschte zu dem Feste sich rc.
Ferner in der Ferienreise:
Wo der bayrische SchlagebaumMir war fern gerücketUnd mit manchem TragebaumSich ein Gärtchen schmücket.
Ferner in vielen seiner Ghasele, z. B. Vom künftigen Alter, Versehn,Hingegangen in den Wind, Und dann nicht mehr, Im Sonnenschein, Absolut,Sei mir geküßt, Liebesmut, Schlußlied u. s. w.
Platen wendet diesen Reim ebenfalls in vielen Ghaselen an, z. B. im1. 2. 3. 4. 6. 7 u. s. w.
Goethe bedient sich dieses Reims in Lilis Park (z. B. reißen sich —beißen sich). Ferner im Heideröslein (z. B. breche dich — steche dich). Fernerin Epimenides Erwachen (z. B. im 5. Auftritt: Wahn und Bahn — anund an).
Georg Jäger bevorzugt diesen Reim in Nr. 1, 2, 3, 4 und 7 seinerSchwertsprüche (vgl. 1870—71 Stuttg. 1879 S. 80), z. B.
Blank die WehrGott zur Ehr.
Trenn die HandFürst und Land u. s. w.
v. Doppelreime mit einer tonlosen Silbe an jeder reimen-den Arsis.
«. Indem er deutete mit dem schwanken StäbchenNach einem schlanken Knäbchen.
(Rückert, Makamen.)
L. Damajanti, die HerzbetrübteGattensuchende, Schmerzgeübte.
(Rückert, Nal und Damajanti.)
6. Identischer Reim.
Er ist die Wiederholung des in der Reimstelle stehenden Wortes,also eine Art unbeabsichtigtes Echo. Er macht einen schweren Eindruckund wird daher nur selten angewendet. Zuweilen wird mit dem korre-spondierenden identischen Reimklang ein verschiedener Sinn verbunden.In diesem Falle verliert er einen Teil seiner Identität (z. B. weine!und die Weine; Heer und her; würde und die Würde rc.).