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k. Umsonst umschlangen sie, umsonst umflochten sie,
Vergebens rangen sie, vergebens fochten sie.
Voll Wut andrangen sie, voll Wut aufkochten sie,
Sich nicht bezwängen sie, noch Übermächten sie.
(Rückert, Röstern und Suhrab.)
12. Der Lettenreim.
Bei ihm reimt das Ende der Verszeile fortlaufend mit einemWorte innerhalb des folgenden Verses, so daß sich der Reim wieeine geschlossene Kette durch die ganze Dichtung zieht.
Beispiele:
Wenn langsam Welle sich an Welle schließet,
Im breiten Bette fließet still das Leben,
Wird jeder Wunsch verschwelten in den einen:
Nichts soll des Daseins reinen Fluß dir stören.
Läßt du dein Herz bethören durch die Liebe,
So werden alle Triebe, losgelassen,
Die Kraft in vollen Massen sich entladen,
Daß unten tief sich baden die Gefühle,
Im buntesten Gewühle milder rauschen,
Bis ferne Männer lauschen, und voll BangenDas nah zu sehn verlangen, was mit GrausenDie Seel' erfüllt im Sausen solcher Wogen,
Die manchen schon betrogen und nicht ruhten,
Bis tiefer in die Fluten ew'ger LeidenVerschlungen sie die beiden, die vereinetIm Silberschaum den süßen Tod beweinet. (Fr. Schlegel.)
(Vgl. noch von demselben „Der welke Kranz".)
Ähnliche künstelnde Spielereien finden sich mehrfach bei Rückert, z. B.:
Geben Wolken den WeinrebenTau, so geben die Reben Wein u. s. w.
Oder: Schöne Frau, nach euern süßen Reizen,
Reizen, die zwar meines Todes Schuld,
Müssen meine Lebensgeister geizen,
Geizen alle doch nach eurer Huld. Geizen rc.
13. Das Echo.
Das Echo gehört (wie auch der Refrain) streng genommen zuden Wiederholungen. Wir zählen es zu den Reimarten, da es lediglicheine Wiederholung des Reimes ist. Zuweilen wiederholt es eine ganzeVerszeile und wird dann selbst zum Vers.
Das Echo bringt den Gleichklang zur höchsten Bedeutung und steigert sodas malerisch musikalische Moment. Zugleich wirkt es dadurch auf unserePhantasie, daß unsere Natur durch dasselbe am Reime spielend sich beteiligt.Spanische Dichter des 16. und 17. Jahrhunderts, sowie die Pegnitzschäser wandtenes mehrfach an. Auch bei den Romantikern findet man es, z. B. bei Tieckim Oktavian, bei A. W. v. Schlegel im Waldgespräch, in Volksliedern, fernerbei Rückert u. A.