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Zur Vergleichung diene folgendes französische Echo aus dem 16. Jahr-hundert:
tzui reguiert kort st lossurs «t eaäauoe? — vLi^s.l^ui kalt souvsnt SUL uoxees rssiäsnoe? — v^ncs.
(jui 1s.it snoor ülles eu gdouägnes? — DLucs.
Kni tuit suntsr Isis par outrevuiäuuos? — vLnoe.tjui sst 1s Aimuä suusinz- äs yruäeuoe? — vLucs.tzui inet aux Lenz vorn 88 paar euiätznes? — v-mos.
(jui tait les bisus toiubsr sn äsoaäsnetz? — vanos.
14. Kehrreim oder Refrain (Rundreim — vsrsns iutsrealaris).
Er ist eine stetige, regelmäßige Repetitionsform, bei welcher eben-sowohl einzelne Worte (ja sogar Empfindungslaute), als ganze Sätzeund Satzverbindungen wiederholt werden können. Wiederholung ganzerZeilen oder Strophen nennt man Kehrzeilen und Kehrstrophen. Jenachdem der Kehrreim zu Anfang der Strophe oder in der Mitte, oderam Ende derselben vorkommt, nennen wir ihn Anfangs-, Mittel- oderEndkehrreim. Der End- oder Schlußkehrreim ist der wirkungsvollste,da in ihm wie in einer Spitze Ton und Stimmung des Liedes aus-läuft; er wird vorzugsweise Refrain genannt. Behält der Kehrreimseine Form durch das ganze Lied bei, so. nennen wir ihn „fest";bleiben sich jedoch nur einzelne Teile desselben gleich, während anderewechseln, so heißt er „flüssig".
Der Kehrreim heißt bei den Lateinern wegen seiner Einschaltung in dasGedicht vsrsns iutsioulurls — Schaltvers. Bei den Griechen nennt manihn o x7rtz-3o'§ — Nachsang. Bei den Franzosen hieß er ursprünglichRsüoit, jetzt Refrain. Die Bezeichnung Kehrreim ist eigentlich nicht ganz ent-sprechend, da es in der antiken Poesie, wie bei uns, Refrains giebt, welchender Reim fehlt (bei Catull vgl. z. B. 61, 62, 64; bei Theokrit Jd. 1 und 2,deutsche Beispiele finden sich unten; diese Verse sind eben nicht Kehrreime,sondern Kehrverse). Die französische Benennung Rskruiii (vom lat. itzkrinAsrsbrechen, welche eigentlich „Sprichwort" bedeutete), hat einen Vorzug, indemsie an die stetige Wiederkehr der an der Küste sich brechenden Wogen erinnert,— entsprechend dem wogenden Rhythmus der Strophe, sofern derselbe imKehrreim einen Halt und einen Damm findet. Der Kehrreim ist aus dengottesdienstlichen Lob- und Bitt-Gesängen hervorgegangen; an deren Strophen-absätzen das Volk in das Schlußwort oder in die letzte Verszeile einstimmte,die der einzelne Sänger vorgesungen hatte. Im Volksliede entfaltete der Kehr-reim sodann seine größte Bedeutung, da dieses ursprünglich Chorgesang war undden subjektiven Dichter ganz verleugnete.
Der Kehrreim verleiht ferner den religiösen Hymnen und den patriotischenLiedern großen Effekt. Er verstärkt den Ernst und potenziert die Komik. Er istvon Natur lyrisch, setzt aber eigentlich ein episches Gedicht voraus. Immer neudrückt er die Empfindung aus, die durch die Reflexion des Erzählten angeregtwird; er ist also die an die Epik angereihte Lyrik. Rein episch ist er,