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Doch die Schwester geht an's Ufer,
Wirst in's Wasser einen Stein:
„Sink, o Böse, sink hinunter,
Nimmer bist und warst du mein!"
Wundergrüne Waldeshut, u. s. w. (die 3 folgenden ZeilenSchwimmet nur, daß es ersähe, swie oben)
Ob der Bruder sich wohl kränke.
Doch der Bruder geht an's Ufer,
Wirft in's Wasser einen Stein:
„Sink, o Böse, sink hinunter,
Nimmer bist und warst du mein!"
Wunderbare Waldeshut, u. s. w. (wie oben)
Schwimmet nur, daß es ersähe,
Ob der Liebste sich wohl kränke.
Liebster eilet an das Ufer,
Stürzt sich in die Flut hinein:.
„Komm mit mir, du liebe Seele,
Warst und bist für ewig mein!"
(Aus „Gesänge der Serben" von Siegsr. Kapper II.)
Einen mustergültigen flüssigen Doppel-Kehrreim bietet das stimmungsvolleGedicht „Vögelein, zart und klein" vom Herzog Ernst II. zu Sachsen-Koburg-Gotha (in der als Manuskript gedruckten Gedichtsammlung „Aus frühen Tagen"),das. auch noch durch Abwechslung des trochäischen mit dem daktylischen Vers-rhythmus wie durch sein strophisches Charakteristikum wertvoll genug erscheinendürfte. Wie eine feste Säule bringt der Kehrreim am Anfang und Ende. derStrophen Einheit in die bewegliche rhythmische Mannigfaltigkeit und steigertden Gedanken von Strophe zu Strophe, um in der Schlußstrophe wie ineiner Spirale sich zum idealen Höhenpunkt empor zu ziehen:
Vögelein,
Zart und klein,
Sollst von nun. mein Hauswirt sein.
Wohnen werd' ich, wo im SchattenAuf den blumenreichen MattenSich die Böglein sorglos galten.
Vögelein,
Zart und klein,
Willst du mir dein Lager leih'n?
Vögelein,
Zart und klein,
Mußt dann auch mein Meister sein!
Und der Leier wird's gelingen,
Wie ihr Kleinen werdet singen,
Ton um Ton euch nachzuklingen.
Vögelein,
Zart und klein,
Willst du mir dein Stimmlein leih'n?
Vögelein,
Zart und klein,
Mußt auch noch mein Marschall sein!
Wollt ihr, Böglein, lustig fliegen