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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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b. Du arme Daphne! Tausend pflückenNun Kränze sich

Von deinen Haaren, sich zu schmücken!

Du dauerst mich! (Hölty.)

(Die inhaltlosen Reime sich und mich verdrängen die Wirkung derbedeutenderen Wörter Kränze und dauern und verstoßen so gegen denWohllaut,)

v. Siehst du das Blut, o Rhein,

Das meine Füße rötet?

Vorn Opfer ists, das ein

Äthiope mir getötet. (Freiligrath.)

ck. Es war ein Klang drin gleich den Tönen einesSchilds, der im Wind den Ast schlägt, dran er hanget.

(Freiligrath.)

o. Bis das Gespann urplötzlich wieder seinenHuf klirrend auf das Pflaster setzt rc.

k. Und dann legt' er froh sich nieder,

Schlief getröstet ein,

Still sich freuend, wenn es wiederMorgen würde sein.

x. Wir haben gewohnt in FriedenZu Hamburg in der Stadt,

Bis uns daraus vertriebenEin fremder Wütrich hat.

b. Diese Gottesharfe, die

Dies mein Herz mit sich versöhnet,

Ihm mit ew'ger MelodieLiebe, Liebe, Liebe tönet.

2. Der Wohlklang verbietet Konsonantenzusammensetzungen,wie stand'st, sandt'st, trompet't u. s. w.

Er gab Pardon und ein Bankett,

Den Weibern zu gefallen.

Da ward gegeigt, da ward trompet't

Und durchgetanzt mit Allen. (Bürger.)

3. Der Wohlklang verlangt Abwechslung der Reime, was nichtBeschaffenheit und Geschlecht des Reimworts betrifft (also männliche zwischenweibliche Reime). Es ist ermüdend, ganze Gedichte auf keit und ung, Liebeund Triebe, Herz und Schmerz gereimt zu sehen. Triviale Reime sindohnehin nur in Verbindung zu gebrauchen; z. B. Weltschmerz, Eisenherz.

4. Der Wohlklang verbietet unnatürliches Schrauben der Wortfolge, Ver-stümmelung der. Wörter, Provinzialismen, Fremdwörter rc.

Beispiele:

a. Nicht, wo er war geboren,

Hak dürfen sterben er.

(Rückert, Die Gräber zu Ottensen.)

(Freiligrath.)

(Schiller.)

(Rückert.)

(Rückert.)