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An Schillers Trennungen hat man sich gewöhnt, z. B.
Und sie freute sich des schönenMeeres rc.
Vater Zeus, der über alleGötter herrscht. '
Gegen den Wohllaut sind die vielen Reime auf den doppelten e-Laut,wie leben : streben, gehen: stehen. „Solche Reime," sagt Heine, „muß mannach Möglichkeit vermeiden, es ist kein Metall djirin."
5. Der Wohlklang fordert berechnete Lautmalerei, wovon sich in H 28und 138. 10. S. 434 Proben genug finden. Gegen eine Überkünstelungsträubt sich jedoch unser Gefühl. Man vergleiche z. B. das nachfolgendereimspielende, tändelnde Gedicht, das uns durch sein Formübermaß unnatürlicherscheint, da in der That durch den Klang die Dichtung musikalisch zugedecktund diese klingklangmäßig unschön wird.
dar bar lit vlt valt kalt,
8nö vö tuot, Aluot si bi mir,
Oras vas e, kls sxrano blaueLInot Auot svbein: ein bao Mae lr.
6. Endlich fordert der Wohlklang, daß die Verschlingung der Reimversekeine allzu gekünstelte, verwickelte, geschraubte sei, weil dadurch die musikalischeWirkung aufgehoben werden würde.
IV. Würbe.
Gegen die Forderung der Würde verstoßen gewöhnliche, gemeine,unedle Reimworte, die man beim Druck nur durch Punkte bezeichnenmöchte.
Wir verweisen zur Probe auf S. 111. 7. 1. d. B., sowie aus dasbekannte Gedicht Bürgers an Göckingk mit Reimen wie Katzendreck, endlich aufeinzelne Blumauersche Verse (vgl. Z 146. S. 484 d. B.), die ebenso würde-lose Reime enthalten, wie manche Gedichte Heines. (Vgl. S. 99 d. B.)Viel eher möchten wir für die Komik berechnete gewöhnliche Reime mit derWürde des Reims vereinbar halten, wie z. B.
Sein Name ist Wundster
Und was er macht, verhundst er. (Vgl. S. 383 u. 483 d. B.)
Ein großer Verstoß gegen die Würde ist es, wenn durch den Reim un-natürliche oder gar plebejische Zerreißungen von rhythmischen Reihen erfolgen,welche zu ablenkenden unwürdigen Betrachtungen herausfordern. Wenn z. B.nach Maßgabe des Rhythmus in dem nach der Melodie: „Was mein Gottwill, das g'scheh' allzeit" komponierten Kirchenlied „Sei Gott getreu!" (vombiederen, sonst verdienten Mich. Franck, ch 1667 zu Koburg) der andächtigeChrist in der 2. Strophe singen soll: „Sei Gott getreu, laß keinen Wind"