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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Wenn der Himmel und die Erde und das MeerMir so herrlich und so traulich und so hold,

Strahlend im Schimmer des Abends,

Lächeln, und Wonnegefühl

Mich erfüllt u. s. w.

In unserer Poesie ist nur noch die lockere Verbindung der Strophendurch ein Komma oder ein Semikolon gestattet, sofern der Sinn den Ruhe-punkt erhält und die Strophe noch als ein selbständiges Teilganzes erscheinenkann. Man vgl. z. B. nachfolgende Strophen Th. Storms aus dem GedichteIm Herbst 1650":

Und schauen auch von Turm und ThoreDer Feinde Wappen jetzt herab,

Und rissen sie die Trikolore

Mit wüster Faust von Kranz und Grab, ^

Und müßten wir nach diesen TagenVon Herd und Heimat bettelnd gehn,

Wir wollens nicht zu laut beklagen,

Mag, was da muß, mit uns geschehn;

Und wenn wir hilselos verderben,

Wo Keiner unsre Schmerzen kennt,

Wir lassen unsern spätsten ErbenEin treu besiegelt Testament;

Denn kommen wird das frische Werde,

Das auch bei uns die Nacht besiegt,

Der Tag, wo diese deutsche ErdeIm Ring des großen Reiches liegt. re.

Das dreimaligeUnd" stört uns im vorstehenden Gedicht ebensowenig,als dasDenn", weil inhaltlich der Ruhepunkt vorausging. Vielmehr wirdder Rhpthmus gehoben, indem durchund" unddenn" immer neu andie Wendung, an den Beginn der neuen Strophe erinnert wird.

Z 152. Strophisches Charakterchikurn.

Um strophisch abgerundete Bildungen für Auge und Ohr zu er-reichen, wendet der Dichter irgend ein charakteristisches, eine Strophevon der anderen trennendes Strvphenmerkmal an. Solche charakterist-ische Merkmale, welche die Strophen als Teilganze markieren, sind:

I. Der Refrain,

II. Die regelmäßige Wiederkehr längerer oder kürzerer Zeilen,

III. Die Abwechselung verschiedener Reime,

IV. Die Abwechselung im Tongrade,

V. Die Abwechselung der reimenden Vokale,

VI. Der Wechsel des Rhythmus,

VII. Die Anwendung verschiedenartiger Kola: