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die inhaltliche Fortführung des Gedankens noch durch irgend ein strophischesEharakteristikum verbunden. Ein eingehendes Studium der von uns dargelegtenGesetze der Strophik wird in Zukunft der Vermehrung solcher Strophen ent-gegentreten.
tz 154. Gleichmäßige (symmetrische) und ungleichmäßige(unsymmetrische) Strophen.
1. Gleichmäßige Strophen sind diejenigen, welche aus Versengebildet sind. die aus einer gleichen Anzahl von Verstakten bestehen.
2. Eine besondere Art ungleichmäßiger Strophen entsteht, wennin einem Gedicht die Zeilenzahl jeder folgenden Strophe sich vermehrt.
3. Unsymmetrische Strophenbildungen führten nicht selten zur
Tändelei. ^
1. Die gleichmäßigen Strophen nennt man auch gleichmetrig. Im ,Gegensatz zu ihnen stehen die ungleichmäßigen oder ungleichmetrigen Strophen, ,welche aus ungleichen Versen zusammengesetzt sind. oder deren einzelne Vers-paare durch längere oder kürzere Zeilen oder Paare unterbrochen sind.
Beispiele gleichmäßiger Strophen:
a. Niemals nur in Kunst und Leben
Schlechtem, Halbem Raum gegeben!
Populär darf der nur heißen,
Der zu seinen Höhn kann reißen.
(Gottsr. Kinkel.)
b. Das erste Mal —
Wie bebt' ich drum! —
Ein Wiedersehn!
Doch welche Qual. ,
Sich fremd und stumm
Vorübergehn. (Elly Gregor.)
Beispiele ungleichmäßiger Strophen finden sich in reicher Anzahltz 152. I und II. S. 500 ff.
2. Jene eigentümliche Art ungleichmetrig erscheinender Strophen, die instetiger Stufenfolge in der Weise zuwachsen, daß immer die folgende Stropheeine Verszeile mehr enthält, als die ihr vorhergehende, könnte man alsflüssige Strophe bezeichnen. Man findet sie angewandt in Rundgesängen,deren 1. Strophe mit einer Frage schließt, worauf die vom Angeredeten erteilteeinzeilige Antwort auf diese Strophe bei der Wiederholung angefügt wird. Fernerin Kinderliedern (z. B. Der Bauer schickt den Jochem aus. er soll die Birnenholen rc.). Auch L. Wiese hat sich dieser Form bedient in seinen Kinder-märchen (vgl. Unglück über Unglück S. 55). Wir schreiben zur Beranschau-lichung Strophe 2 — 5 dieses Gedichts her: