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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Da sprach der warme Ofen:Was weinst du?"

Flöhchen sprach:Sollt' ich nicht weinen?

Lauschen, eben noch frisch und rot,

Verbrannte sich zu Tod';

Und ich sollte nicht weinen?"

Drob fing das Öfchen an zu scheinen. '

Da sprach ein Hälmchen Stroh:Was scheinst du?"

Öfchen sprach:Sollt' ich nicht scheinen?

Lauschen, eben noch frisch und rot,

Verbrannte sich zu Tod';

Flöhchen weint,

Und ich sollte nicht scheinen?"

Drob fing das Ströhchen an zu stimmen und zu flammen.

Da sprach die Kirchenglocke:Was stimmst und flammst du?"Ströhchen sprach:Sollt' ich nicht stimmen und flammen?

Lauschen, eben noch frisch und rot,

Verbrannte sich zu Tod';

Flöhchen weint,

Öfchen scheint,

Und ich sollte nicht stimmen und flammen?

Da fing das Glöckchen an zu Kimmen und zu Lammen, u. s. w.

3. Als Probe spielerischer unsymmetrischer Strophenbildungen können vieleDichtungen der sog. Pegnitzschäfer im 17. Jahrh, dienen. Die Strophen der-selben suchen z. B. die Form von Kränzen, Schäferflöten, Röhrenbrunnen,Flaschen, Bäumen, Blumenkörbchen, Kreuzen, Pokalen rc. darzustellen und sindhöchstens für die Geschichte der Strophik als läppische Spielereien litterarhistorischerwähnenswert. Sie sind nicht einmal originell, denn schon die Alten kanntensolche Formen. Wir geben einige Proben Harsdörfers, des Begründers desBlumenordens an der Pegnitz, der sich denSpielenden" nannte. (Vgl. S. 51d. B.)

1. Abbildung einer Flasche. >

was

reimetsich zu demW e stph ä lisch enSchinken? Das Trinken.

Was reimet sich zu denstets nassen Poeten? DieNasen beröten. Es machetdas Dürsten die Mägenzerbärsten. Es leeret dieTaschen das Füllender Flaschen.