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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Denn gleichwie deine Faust der Gläubigen Geschlecht,

Als es in höchster Not, errettet und ergötzet,

Also hat durch dein Haupt, die Kugel (leider) rechtDer Deutschen Freiheit Herz und Tugendhaupt verletzet.

Siegreich und selig zwar hat dich, weil in der SchlachtDu frei für Gottes Wort dein teures Blut vergossen,

In die endlose Freud und Ehr dein End gebracht:

Jedoch in Leid und Not sind deine Bundsgenossen,

Weil deine Herrschung du mit Sieg, Triumph und PrachtDort in dem Himmelreich anfangend, hie beschlossen.

Gleichzeitig mit Weckherlin vielleicht schon vor ihm hat PaulMelissus (Bibliothekar in Heidelberg, 15391602), der nebenbei bemerkt dieersten deutschen Terzinen dichtete, Sonette geschrieben. Die ersten gehar-nischten patriotischen Sonette schrieb Paul Flemming (16091649) ebenfallsin Alexandrinern.

Beispiel Flsmmings:

An die jetzigen Deutschen.

Jetzt fällt man uns in's Mahl, in unsre vollen Schalen,

Wie man uns längst gedräut! Wo ist nun unser Mut?

Der ausgestählte Sinn? das kriegerische Blut?

Es fällt kein Ungar nicht von unserm eiteln Prahlen!

Kein Busch, kein Schützeurock, kein buntes FahnenmalcnSchreckt den Kroaten ab. Das Ansehn ist sehr gut,

Das Ansehn mein ich nur, das nichts zum Schlagen thut,

Wir feigsten Krieger wir, die Phöbus kann bestrahlen!

Was ängsten wir uns doch und legen Rüstung an,

Die doch der weiche Leib nicht um sich leiden kann?

Des großen Vaters Helm ist viel zu weit dem Sohne!

Der Degen schändet ihn! Wir Männer ohne Mann,

Wir Starken auf den Schein, so ist's um uns gethan,

Uns Namens-Deutsche nur! Ich sag's auch mir zum Höhne.

Die Dichter der ersten schlesischen Dichterschule, Opitz, Gryphius u. A., schriebenSonette im Alexandriner. Dann verfiel das Sonett bis zur Zeit Bürgers(17481794) und des berühmten Übersetzers Ariosts, Taffos und Calderons,Joh. Dietrich Gries (17751842), welch' letzterer im Tone Flemmingsgeharnischte Sonette schrieb. Besonders pflegte es Bürger, dessen bezau-bernd schöne Sonette als Ausdruck der tiefsten Empfindung auch heule nochgerühmt werden sollten. Seine Sonette waren meist im fünftaktigen Trochäusgeschrieben, z. B. die Erscheinung, Täuschung, Für Sie mein Eins und Alles,Trauerstelle, Verlust, Liebe ohne Heimat, Überall Molly und Liebe, An A. W.Schlegel rc. Doch hat er auch einige Sonette im jambischen Quinar geschrie-ben, z. B. die Eine, die Unvergleichliche, Naturrecht w.