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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Siebentes Knnptftück.

Dir Lehre von den Strophen.

Denn wer durchdrungen ist vom innig Wahren,Dem muß die Form sich unbewußt vereinen.

Und' was dem Stümper mag gefährlich scheinen,Das muß den Meister göttlich offenbaren.

Wem Kraft und Fülle tief im Busen keimen,

Das Wort beherrscht er mit gerechtem Stolze,Bewegt sich leicht, wenn auch in schweren Reimen.Er schneidet sich oes Liedes flüchtge BolzeGewandt und sicher, ohne je zu leimen,

Und was er fertigt, ist aus ganzem Holze.

Malen.)

tz 148. Segriffserklärung von Strophen und Alter derselben.

1. Unter Strophe versteht man die Vereinigung mehrerer Versezu einem metrischen Teilganzen, oder mit andern Worten: Stropheist eine Periode von mehreren unter einander verbundenen Verszeilen.Bei einem längeren Gedichte dient meist die erste Strophe allen übrigendieses Gedichts als Muster.

2. Die Benennung Strophe ist griechischen Ursprungs.

3. Wie der Reim, so ist auch die Strophe eine Naturnotwendig-keit der Poesie. Sie ist daher uralt. Die deutsche Strophik gelangtein der mittelhochdeutschen Lyrik zur Blüte.

1. Erst wenn die Verse zu Versgebäuden, zu metrischen Teilganzen, d. h.also zu Strophen verbunden sind, kann man im Gegensatz zur Prosavon einer gebundenen Rede sprechen. Im gewöhnlichen Sprachgebrauchhört man häufig namentlich bei Kirchenliedern die Strophe als Versbezeichnen, obgleich der Vers oder die Verszeile nur einen Teil der Strophebildet.

2. Das Wort Strophe stammt von dem griechischen urpm/ns, d. h.Wendung und bedeutet die Umwendung zur ursprünglichen Melodie. Inden Ehorliedem der Tragödie kehrten nämlich die Chormitglieder am Ende der