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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Ein Lorbeer'* schirmte da mich vor dem Himmel, <" Wortipiel >mtDrum, oftmals lüstern nach den schönen Sprossen, Lorbeer.)Zog ich seitdem durch Wälder, über Hügel.

Doch fand ich niemals einen Stamm noch Blätter,

So hochgeehrt vom überird'schen Strahle,

Daß sie die Art nicht tauschten mit den Zeiten.

Beständ'gcr immer nun, von Zeit zu ZeitenHinfolgend, wo der Ruf mir scholl vom Himmel,

Geführt von einem milden hellen Strahle,

Kehrt' ich fromm wieder zu den ersten Sprossen,

Sowohl, wenn sich umhergestreut die Blätter,

Als wenn die Sonne grünen macht die Hügel.

Gefilde, Wälder, Felsen, Flüss' und Hügel,

Was nur erschaffen ist, erliegt den Zeiten.

Drum bitt ich um Verzeihung jene Blätter,

Wenn ich nach Umschwung manches Jahr's am HimmelZu fliehn beschloß die glattbeleimten Sprossen;

Sobald ich aufgeschaut zum Hähern Strahle.

Sonst würd' ich so gelockt vom süßen Strahle,

Daß ich mit Lust erklomm die höchsten Hügel,

Um nahn zu dürfen den geliebten Sprossen.

Das kurze Leben aber, Ort nnd Zeiten,

Sie lehren mich jetzt andern Pfad zum Himmel,

Und Frucht zu tragen, nicht bloß Blüt' und Blätter.

Nun andrer Blätter Lieb', in andcrm Strahle,

Zum Himmel Bahnen über andre HügelSuch ich (wohl ist es Zeit), und andre Sprossen.

Förster verwendet dasselbe Schema; nur die letzte Halbstrophe hatandere Anordnung der Strophenschlußworte.

3. Wer da bestimmt ward, vom Geschick zu lebenAuf trügerischen Wogen, unter Klippen,

Getrennt vom Tode nur durch kleinen Nachen,

Kann nicht gar ferne sein von seinem Ende;

Drum sollt' er sich zurückziehe in den Hafen,

So lang dem Steuer noch gehorcht das Segel.

Die linde Luft, der Steuer ich und SegelVertraut beim Eintritt in der Liebe Leben,

Hoffend, mich auszuruhn in bessern! Hafen,

Trieb dann mich unter mehr denn tausend Klippen,

Und ach, der Grund von meinem traur'geu EndeKam nicht von außen nur, lag auch im Nachen.

Verschlossen lang' in diesem blinden NachenIrrt' ich umher und sah nicht aus zum Segel,

Das vor der Zeit mich trieb zu meinem Ende;

Doch huldreich sah's, der mich geführt in's Leben,

Und rief so weit mich fort aus jenen Klippen,

Daß fernher mindest mir erschien der Hafen.