Beispiele:
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Lob. (Emil.)
Eine Krone dich umstrahletMir des Ruhmes schönstem Glänze,
In den Büchern der GeschichteLeben ewig deine Thaten.
Wunsch. (Emil.)
Ewig magst du, Freund des Herzens,
Mitten unter Blumen wandeln,
Immer mag ein guter EngelLiebend dir zur Seite gehen.
Wiedersehn. (Emil.)
Eine Hoffnung lebt im HerzenMitten in dem Schmerz der Trennung;
Ich soll bald dich wiedersehen,
Liebstes Bild für meine Träume. (Wernick.)
Die Spielerei dehnte sich so weit aus, daß sogar fremde Sätze andeutsche Buchstaben gereiht wurden, z. B.:
(Rose.)
Risn ns rssists ä ta boants;
On 1o esäs ä l'envie los arinse,
So äsksnärait-on äs tes olmrinss?
En to vozmnt on xerä la libsrtö!
tz 180. Das Triolet (Dreiklangsgedicht).
Das Triolet ist französischen Ursprungs und besteht in der Regelaus 8 (selten aus 9 oder 10) jambischen oder auch trochäischen Versen.Nach dem 3. Vers wiederholt es den ersten, und nach dem 6. (seltennach dem 8.) die beiden ersten Verse in sinnreicher, überraschenderWeise. Die 1. Verszeile tritt somit dreimal auf, woher es seinenNamen hat.
Die zwei ersten, einen abgeschlossenen Hauptgedanken (gleichsam das Themades ganzen Gedichtes) enthaltenden Verse, bilden am Schlüsse eine Art Refrain,müssen aber freilich im inhaltlichen Zusammenhang mit dem Vorhergegangenenstehen.
Es kommen im Triolet nur 2 Reimlaute vor. Lieblichkeit des Ausdrucks,süße Tändelei, melodischer Rhythmus, Anmut und gefällige Wiederholung deseinen Gedankens in der Mitte und am Ende des Gedichts charakterisieren es.
Nach Hagedorns Vorgang gebrauchten es bei uns: Schlegel, Tiedge,Gleim, Haug, Goethe, Platen, Klamer Schmidt, Kugler, Raßmann, Chamisso,Rückert, Smets, Ernst Schulze, Geibel, Br. Hanschmann, Albert Möser (imdeutschen Dichterheim Nr. 7. 1881) u. A.
Manche Dichter haben 2 und 3 Triolete zu einem einzigen Gedicht ver-einigt. In diesem Falle bildet jedes Triolet eine Strophe des Gedichts. Eindreistrophiges Triolet nennt man Rondel.