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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Getroffen tönten Helm und Schilde, Staub,Auf einen Augenblick, umhüllte wirbelndDes Siegers Ehre, des Besiegten Schmach.O laß mich einen Vorhang vor das ganze,Mir allzuhelle Schauspiel ziehen, daßIn diesem schönen Augenblicke mirMein Unwert nicht zu heftig fühlbar werde.

Prinzessin.

Wenn jener edle Kreis, wenn jene ThatenZu Müh' und Streben damals dich entflammten,So konnt' ich, junger Freund, zu gleicher ZeitDer Duldung stille Lehre dir bewähren.

Die Feste, die du rühmst, die hundert ZungenMir damals priesen und mir manches JahrNachher gepriesen haben, sah ich nicht.

Am stillen Ort, wohin kaum unterbrochenDer letzte Wiederhat! der Freude sichVerlieren konnte, mußt' ich manche SchmerzenUnd manchen traurigen Gedanken leiden.

Mit breiten Flügeln schwebte mir das BildDes Todes vor den Augen, deckte mirDie Aussicht in die immer neue Welt.

Nur nach und nach entfernt' es sich, und ließMich, wie durch einen Flor, die bunten FarbenDes Lebens blaß, doch angenehm erblicken,

Ich sah lebend'ge Formen wieder sanft sich regen.Zum erstenmal trat ich, noch unterstütztVon meinen Frauen, aus dem Krankenzimmer,Da kam Lucretia voll frohen LebensHerbei und führte dich an ihrer Hand.

Du warst der erste, der im neuen LebenMir neu und unbekannt entgegen tratDa hofft' ich viel für dich und mich; auch hatUns bis hieher die Hoffnung nicht betrogen.

Lasso.

Und ich, der ich betäubt von dem GewimmelDes drängenden Gewühls, von so viel GlanzGeblendet, und von mancher LeidenschaftBewegt, durch stille Gänge des Palasts,

An deiner Schwester Seite schweigend ging,

Dann in das Zimmer trat, wo du uns baldAus deine Frau'n gelehnt erschienest mirWelch ein Moment war dieser! O vergieb!

Wie den Bezauberten von Rausch und WahnDer Gottheit Nähe leicht und willig heilt;

So war auch ich von aller Phantasie,

Von jeder Sucht, von jedem falschen TriebeMit Einem Blick in deinen Blick geheilt.

Wenn unerfahren die Begierde sichNach tausend Gegenständen sonst verlor,

Trat ich beschämt zuerst in mich zurück,