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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Und lernte nun das Wünschenswerte kennen.

So sucht man in dem weiten Sand des MeersVergebens eine Perle, die verborgenIn stillen Schalen eingeschlossen ruht.

Prinzessin.

Es fingen schöne Zeiten damals an,

Und hätt' uns nicht der Herzog von UrbinoDie Schwester weggeführt, uns wären JahreIm schönen ungetrübten Glück verschwunden.

Doch leider jetzt vermissen wir zu sehr

Den frohen Geist, die Brust voll Mut und Leben,

Den reichen Witz der liebenswürd'gen Frau.

Tasso.

Ich weiß es nur zu wohl, seit jenem Tage,

Da sie von hinnen schied, vermochte dirDie reine Freude niemand zu ersetzen.

Wie oft zerriß es meine Brust! Wie oftKlagt' ich dem stillen Hain mein Leid um dich!

Ach! rief ich aus, hat denn die Schwester nurDas Glück, das Recht, der Teuern viel zu sein?

Ist denn kein Herz mehr wert, daß sie sich ihm

Vertrauen dürste, kein Gemüt dem ihren

Mehr gleich gestimmt? Ist Geist und Witz verloschen?

Und war die Eine Frau, so trefflich sieAuch war, denn alles? Fürstin! o verzeih!

Da dacht' ich manchmal an mich selbst, und wünschteDir etwas sein zu können. Wenig nur,

Doch etwas, nicht mit Worten, mit der ThatWünscht' ich's zu sein, im Leben dir zu zeigen,

Wie sich mein Herz im Stillen dir geweiht.

Doch es gelang mir nicht, und nur zu oftThat ich im Irrtum, was dich schmerzen mußte,

Beleidigte den Mann, den du beschütztest,

Verwirrte unklug, was du lösen wolltest,

Und fühlte so mich stets im Augenblick,

Wenn ich mich nahen wollte, fern und ferner, u. s. w.

Zur Litteratur des dramatischen Gedichts.

Die Anzahl der dramatischen Gedichte ist im Verhältnisse zu den übrigenDramen nur gering. Wir rechnen unter die Gattung derselben außer dengenannten: Körners Hedwig und Tony; Zevlitz' Herr und Sklave; Tiecksdramatisierte Märchen; Platens polemisch-satirische Komödien; JmmermannsTrauerspiel in Tyrol; Oskar Elsners Die Wacht am Rhein; UhlandsSchildeis und sein Ständchen, sowie zum Teil sogar seine Dramen; in gewissemSinn auch A. Werners Martin Luther (vgl. S. 34 d. Bds.), sowie Aug.Spechts Der Verfluchte. Ferner sind als dramatische Gedichte zu nennen:Julius Mosens Heinrich der Finkler, Otto III., Rienzi, Herzog Bernhard,