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der ernste» Frage des Max zu Gunsten der Rechtlichkeit und zu Ungunsten desBesitzes der Liebe. Niedergeschmettert von der Todesnachricht des Geliebtenermannt sich ihr Heldenherz in schmerzlichstem Gefühle, um alles zu hören,was der Bote vorn Tode des Max weiß. Ihr erschüttertes edles Frauenherzscheint brechen zu wollen; aber der vom Vater ererbte Heldensinn veranlaßtsie, ungesehen noch in der Nacht zum Grabe des Geliebten aufzubrechen, —wie es scheint, um nicht wiederzukehren, sondern am Grabe ewig mit dem Ge-liebten vereint zu bleiben.
5. Wallensteins Gattin. Eine edle Erscheinung! Treu und ohneMurren fügt sie sich in ihr Geschick. Sie hat eine Ahnung vom Unglück, nichtaber vom Niedergang des ganzen Glücks. Da sie einmal schon die Demütigungdes Gemahls erlebt, so fürchtet sie nur, es könne wieder so werden wie nachRegensburg, und sie beklagt, daß sodann Thekla ihre kaiserliche Pathe ver-loren habe. Sie nimmt innigen Anteil am Unglück der ihr in allen Stückengleichenden Tochter.
6. Oktavio. In der Beurteilung des Charakters Oktavios darf nichtübersehen werden, wie er es für die erste Pflicht hält, in den gewohnten Bahnendes Herkommens fortzuwandeln und dem Kaiser das Gelöbnis der Treue zuhalten. Nicht ein gemeiner Verräter ist er, der aus Eigennutz und RuhmsuchtWallenstein betrügt. Wäre dies der Fall, so würde die Pointe der Handlungnicht mehr in der Person Wallensteins gipfeln, dessen Auflehnung gegen diebestehende Ordnung als seine eigenste Schuld seinen Untergang herbeiführenmußte. Der Dichter stellt Oktavio höher als Buttler. Wenn er ihn auch alsdes Edlen, Schönen, Hohen bar zeichnet, so läßt er ihn doch keine gemeinen,niedrig-leidenschaftlichen Ränke anwenden. Er läßt ihn mit Geist und schlauerBerechnung handeln. Oktavio warnt den Wallenstein nicht vor dem Abgrund,aber er stößt ihn auch nicht hinein. Von den Schwächen der Menschen ziehter Vorteil. Mit großer Schlauheit weiß er Buttler und Jsolani dem Wallen-stein abspenstig zu machen.
Eine Seite seines Herzens bringt ihn uns näher. Es ist seine Liebe zuMax und sein Schmerz, ja, seine Entrüstung über Wallensteins Tod. Wirfühlen mit ihm den Verlust des Sohnes, den ihm der Fürstentitel nicht er-setzen kann.
7. Wrangel. Wrangels Charakter vereint klaren Blick und vorsichtigeBerechnung mit freundlichem, für den Diplomaten fast etwas zu kordialemEntgegenkommen.
8. Terzky und 9. Jllo. Terzky steht als Mensch höher als Jllo,
welcher sich nicht ganz beherrschen kann. Ihre Genußsucht kennt nicht das
sittliche Moment der Pflicht. Sie drängen Wallenstein von That zu That.
Dieser widerspricht ihnen nicht, weil er an die Folgen nicht glaubt, weil er
die Fäden der Handlung m seiner eigenen Hand vereinigt glaubt. Die Nach-richt vom Siege der Schweden überwältigt Terzky und Jllo. Sie feiernein Fest und vergessen der Wachsamkeit, um Wallenstein im Tode vorauszu gehen.