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10. Jsolani. Isolani ist das Bild der Charakterlosigkeit, der Schwäche,
der Unschlüssigkeit, der Zaghaftigkeit, des Wankelmuts. ^
11. Gordon. Der alte brave Gordon verbindet mit Treue gegen seinenKaiser wirkliche Anhänglichkeit an seinen ehemaligen Jugendgenossen Wallenstein.
Er ist ohne Entschlossenheit und Thatkraft. Zwar giebt er dem Wallensteingenug Andeutungen nahenden Mißgeschicks, aber er wagt es doch nicht, ihn offenzu warnen, oder gar zu retten. Er ist bemüht, den Tod Wallensteins abzuwehrenund läßt dann alles geschehen, weil er vor den Folgen erzittert, für die ihn der schlaueButtler verantwortlich macht. Kaum ist er weggeeilt, um den Angriff der Schwedenabzuwehren, als ihn sein Herz zurücktreibt, den Tod Wallensteins zu verhindern.
12. Teveroux und 13. Macdonald. Diese Beiden sind niedrige, charakter-lose Werkzeuge Buttlers, — unterthänig und servil gegen den Mächtigen, nichts-würdig und teuflisch gegen den Wehrlosen, und wäre er — wie hier — ihr Wohlthäter.
14. Buttler. Buttler ist der eiskalte Egoist, welcher demjenigen Schurken-dicnste leistet, der ihn bezahlt. Er ist treu, solange er Nutzen von seinerTreue verspürt. Er lebt nur seinen Privatinteressen, kennt keine Dankbarkeit,und macht aus seinem Charakter kein Hehl.
Wallenstein vereitelt seine Erhebung in den Grafenstand, weil er Buttler ge-nau kennt. Dieser glaubt sich vom Kaiser gekränkt und geht zu Wallenstein über.
Als er durch Oktavio den Wallenstein als Veranlassung seiner Kränkung erkennt,verläßt er diesen und kehrt zum Kaiser zurück, um sich an Wallenstein zurächen. Er weiß sich in einer Weise zu verstellen, die schlecht zu seinem seit-herigen aufbrausenden Charakter paffen mag. Es ist unwahrscheinlich, daßeinem so rachesüchtigen, aufwallenden Menschen, der Beobachtung vieler gegen-über, die Verstellung in der von Schiller angegebenen Weise gelingen wird.Auch ist nicht anzunehmen, daß er seine schwarze That mit Vernunstgründenzu beschönigen sucht. Dies hat er nicht nötig, da er den Verwand derRache mit dem Befehl der Urteilsvollstreckung decken durfte. So bezeichnet erdenn in Wirklichkeit seine Handlung als eine gute That, die Anspruch aufBelohnung habe, da durch sie das Reich von einem furchtbaren Feinde befreitworden sei. Sein lohnsüchtiger, egoistischer Charakter tritt in seinen Schluß-worten noch einmal zu Tage, er reise nach Wien, um den Beifall sich zuholen, den der geschwinde Gehorsam von dem gerechten Richter fordern dürfe.
Z 161 . Verschiedene Benennung und Einteilung der Tragödien.
1. Die Tragödien wurden von jeher sehr verschieden benannt undrubriziert. Einige Schriftsteller unterschieden: u. Tragödien des be-siegten Konflikts, b. Tragödien des siegenden Konflikts, e. Tragödiender Schuld, cl. reine Tragödien, s. Tragödien der Liebe.
2. Andere teilten ein in: a. antike, 6. romantische und o. moderneTragödien.
3. Eine mehr philosophische Anordnung scheide! in: u. Charakter-tragödien, 6. Prinzipientragödien, e. Sittentragödien.
Beher, Deutsche Poetik. U.
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