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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Die travestierte Zauberslöte. Parodierende Posie von Meist.Alexander Stradellerl. Parodie der Oper Stradella mit Gesangvon A. Lödl. Musik von Ad. Müller.

Sechzig Minuten nach 12 Uhr. Parodie der Melodramen in2 Akten mit Gesang und Tänzen von Meist u. s. w.

tz 177. Litteratur der GomöLie und Angabe von Proben.

Um das Wesen des Lustspiels an guten Beispielen zu studieren,empfehlen wir:

1. Lessings Minna von Barnhelm, das beste Lustspiel seiner Zeit;

2. Kleists Der zerbrochene Krug;

3. Platens romantische Komödie Die verhängnisvolle Gabel;

4. Gutzkows Zopf und Schwert;

5. Doczi's Kuß:

6. Schaufserts Schach dem König.

Andere erwähnenswerte Lustspiele nennt der nachstehende Überblicküber die Litteratur, der sich selbstredend auf die hervorleuchtendstenNamen beschränken mußte.

Griechen: Wie schon § 163 S. 456 d. Bds. angedeutet, hatte dasLustspiel der Griechen einen ähnlichen Ursprung wie die Tragödie. Bei denDionysosfesten (S. 456 d. Bds.), hauptsächlich bei der Weinlese, wo, wie beiunserem Fasching, die ausgelassenste Freude herrschte, führte ein Verein von 24Landleuten Spiele auf, wobei die Zuschauenden geneckt und Lieder gesungenwurden. So entstand die Komödie, als deren Begründer für Attika Susarion(um 580 v. Chr.) und für Sicilien Epimarchos genannt werden. In Athenhatte seit den Perserkriegen Chionides begonnen, die Komödie aus den Elementender Megarischen Schwanke zu entfalten.

Man unterscheidet 3 Perioden der kunstmäßigen griechischen Komödie:

1. Die alte Komödie (?) etwa bis zur Zeit

der Dreißig um 404 v. Chr. mit den Dichtern Kretinos, Krates, Eupolis,Pherekrates, Phrynichos und vor allen Aristophanes. (Bon letzterem sind uns11 Komödien aufbewahrt worden, die sich durch gewandte, schlagfertige Aus-drucksweise, durch vollendeten Versbau und lebendige Darstellung auszeichnen,und deren bekannteste sind: 1. Die Acharner, in welchen ein Bauer dieVorteile des Friedens darlegt; 2. Die Wolken, welche die scheingelehrtenSophisten, zu denen auch Sokrates gezählt wird, geißeln; 3. Die Ritter,welche die Prozeßsucht der Athener und den Gerber Kleon lächerlich machen;

4. Die Frösche, die den Euripides als Tragödienvcrderber brandmarken;

5. DieWespen, 6. DieBögelrc. (vgl. S. 481 d. Bds.). Aristophanes'Komödien, welche durch die Ochlokratie reichen Stoff erhielten, sind eine Art poli-tischer Censur, gewissermaßen die vox pvpuli. Durch ihren öffentlichen Cha-rakter, der die Zeit in den Umrissen einer verkehrten Welt wiederspiegelt,