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gewinnen sie die beiden Elemente: das Phantastische und die Berechtigung derJnkonvenienz, wodurch sie der diametrale Gegensatz der Tragödie werden.)
Die ältere Komödie besaß den Chor, der sich zuweilen in zwei Halbchöreteilte, ebenso wie die Tragödie; nur der Gesang zwischen den einzelnen Aktenfehlte ihr. Der Tanz (x«)j-F«§) bestand aus ausgelassenen Sprüngen undzuweilen unschicklichen, unzüchtigen Bewegungen. Eine Eigentümlichkeit deskomischen Chors war noch die Parabase (7r«(>«/?iMs): eine das Spiel unter-brechende Digression, oder ein Intermezzo, in welchem sich der Dichter mit demPublikum auseinandersetzte, indem sein Chor nach der Exposition den Ruhepunktim Dialog benützte, um zum Zuschauerraum gewendet eine Stellung aus derOrchestra einzunehmen und die Schattenseiten des öffentlichen Lebens zu be-leuchten, die Götter zu preisen oder dem Publikum Wünsche und Anschauungendes Dichters zu vermitteln. Die Sprache war der reinste Atticismus.
2. Die mittlere Komödie (^ xlvz-.) ist der Übergang derälteren zur neueren. Statt angesehener Personen — wie dies bei der altenKomödie der Fall war — verspottete sie Personen aus dem bürgerlichen Leben:Handwerker, Krieger, Bauern, tragische Dichter rc. Die Chöre fielen bei ihrganz weg. Die Handlung wurde bewegter, mannigfaltiger; die Sprache kamder gewöhnlichen Umgangssprache gleich. Aristophanes leitete diese Richtungim Plutos ein; hauptsächliche Vertreter waren Antiphanes und Alexis.
3. Die neue Komödie (^ oecc xen/«.) erstieg eine höhere Stufe desseinen, künstlerischen Aufbaus. Das politische öffentliche Leben verschwand inder neueren Komödie von der Bühne; es kam das Charakterstück an die Reihemit selbsterfundener Fabel, kunstvoll durchgeführter Handlung und tüchtigerSchilderung eines Charakters. Der Chor, der schon bei der mittleren Komödieweggefallen war, kam nur noch als handelnde Person vor. Als Dichter sindzu erwähnen Menander, Philemon, Diphilos, Apollodoros rc. Die Charaktere,denen wir hier begegnen, sind (nach Lübker) dieselben, welche wir bei Plautusund Terenz finden, nämlich: leno xsriuru8, amator ksrviärrs, sorvulrrsonlliärrs, ainica illrräsns, sockalis opitulator, milos prosliubor, parnsitustzäux, pursutss tsnnoos, msrstrioos proeuoos sto.
Römer. Nach Livius (7. 2) entstand der erste Anfang einer Komödiein Rom um 363 v. Chr., indem man bei einer Pest die Götter durch luäiseusnici (mimische Tänze ohne Gedicht) versöhnen wollte. Eine Art Komödiewaren auch die Atellanen, an deren Stelle später der Mimus trat. Im Jahre240 v. Chr. dichtete der griechische Freigelassene, Livius Andronikus, ein Stück,dessen Vortrag durch die Flöte begleitet wurde. Den Schluß bildeten sodanndie Atellanen als Nachspiele (oxoälu). Die älteste kunstmäßige Komödie derRömer finden wir bei Plautus, von dem 20 durch Danz, Kuffner, Rapp,Köpke u. a. übersetzte Lustspiele auf uns gekommen sind, sowie bei Terenz, vondem nur 6 von Kindervater, Roos und Einsiedel übersetzte Lustspiele vorhandensind. Nävius büßte den Versuch, die attische Komödie durch freimütige An-griffe bei den Römern einzuführen, mit Gefängnis; die Folge war, daß dieKomödie des öffentlichen Charakters entbehrte und nie wie in Athen Staats-