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sich auf den mit dem Rhythmus verbundenen Tanz und auf die Chöre; derDialog wurde recitativartig vorgetragen rc.
Unser Melodrama schreibt sich aus dem vorigen Jahrhundert her. Dieerste Anregung zu demselben gab I. I. Rousseau, dessen Pygmalion lediglichein von Musik begleiteter, dramatisch gehaltener Monolog war. Nach diesemVorbild bearbeitete in Deutschland der Schauspieler Brandes ('s- 1799 in ^
Berlin) die Kantate Ariadne auf Naxos von Gerstenberg, um seiner in derlyrischen Deklamation bedeutenden Frau eine Glanzpartie zu schaffen. Diestimmungsvolle begleitende Musik lieferte ihm G. Benda, und dieser wurdesomit der erste Begründer des musikalischen Teils unseres Melo-dramas. Es folgten nun bis in die Neuzeit viele Melodramen, von denenfolgende bekannter geworden sind: Gotters Medea (mit Bendas Begleitung);
Meißners (und Neefes) Sophonisbe, Lichtend ergs (und Voglers) Lampedo;
Ramlers Cephalus und Prokris, Rambachs Theseus auf Kreta, KasfkasRosamunde, W. v. Gerstenbergs Minona, Bertuchs Polyrena, G. Con-rads (Prinz Georgs von Preußen) Phädra, Gubitz' (und B. A. Webers)
Sappho, Heinrich Drehers (Musik mit Einflechtung von Melodien zu Körner'-scheu Liedern von Rich. Genöe) Theodor Körner, Albertis (und Reineckes)
Der Mutter Gebet u. a.
Schauspieler, die in der Deklamation glänzen wollten, veranlaßten auchmelodramatische Bearbeitung episch-lyrischer Gedichte, z. B. Der Gang nach demEisenhammer von Aus. Weber; Die Glocke, Die Bürgschaft rc. von P. Lind- »
paintner; Der Taucher von Über; KlopstockS Frühlingsfeier von Zumsteeg;die Balladen: Der Heideknabe, Die Flüchtlinge, Schön-Hedwig von Schumann;
Bürgers Lenore von Liszt u. a.
Aber auch in Schauspiele und in Opern schob man episodische melo-dramatische Scenen ein, die sich von vortrefflicher Wirkung erwiesen, nament-lich, wenn es galt, durch die Musik den dunkeln schlummernden EmpfindungenRaum zu gewähren und einen weihevollen, stimmungsreichen Eindruck zu schaffen.Vorzügliche Verwendung fand das Melodrama in dieser Beziehung in der Pre-ziosa, und im Freischütz durch Weber; in der Kerkerscene der Oper Fideliodurch Beethoven; in Struensee durch Meyerbeer; im Sommernachtstraum durchMendelssohn; ferner am Schlüsse von Egmont, wo die Musik den Tod Eg-monts verklärt und seinen letzten Schlaf versüßt. Auch Schumann fügte vielenStellen des Byronschen Manfred (z. B. Erscheinung der Geisterfee rc.) melo-dramatische Musikbegleitung ein u. s. w.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß das Melodrama (in welchem —nach Bouterwecks Ästhetik — zwei das gleiche Ziel erstrebende Künste mit be- **
sonderer Höflichkeit einander Platz machen, wenn die eine der andern in denWeg tritt) in unserer Gegenwart zu den unpopulären Gattungen gehört, dawir für Steigerung deS Gefühls die Rede lieber mit dem Gesang vertauschen.
Indes wird das Melodrama immerhin hervorragenden Deklamatoren erwünschtbleiben, wie es denn auch unzweifelhaft für angehende dramatische Komponistenein vorzügliches Mittel zur Erreichung der Befähigung ist, die Musik von einer