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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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III. Miisckalisch-drauiatW-weltliche, und kirchlich-musikalische

Formen.

ß 179. Einteilung dieser Formen.

Die Verbindung der Dichtkunst mit der Musik vollzieht sich:

I. in musikalisch-dramatisch-weltlichen Formen,

II. in kirchlich-musikalischen Formen.

Die musikalisch-dramatisch-weltlichen Formen sind folgende:

1. Das Melodrama,

2. Das Vaudeville und das Sing- oder Liederspiel,

3. Das Schauspiel mit Musik,

4. Die Oper:

а. Ernste Oper,l>. Komische Oper,e. Operette,

ä. Intermezzo.

Die kirchlich-musikalischen Formen sind:u. Der Choral,

d. Die Motette,

e. Der Psalm,

б. Die Kantate,e. Die Passion,

s Die Messe und das Requiem,zr. Das Oratorium.

I. Musikalisch-dramatisch-wrltliche Formen,tz 180 . Oas Melodrama.

Das Melodrama (von Gesang und Handlung)ist eine Deklamation mit einer ihre Stimmung charakterisierenden Musik-begleitung. Es ist jene Kunstgattung, in welcher sich die Musik mitdem gesprochenen Worte verbindet, indem sie (die Rede begleitend,oder abwechselnd an passenden Stellen kurze Motive einfügend) die vonder Dichtkunst angeregte Stimmung zu erhöhen sucht. Das Melo-drama heißt Monodrama, wenn nur eine Person deklamierend auf-tritt, Duodrama, wenn zwei Personen thätig sind.

Vom Singspiel unterscheidet sich das Melodrama dadurch, daß seine Per-sonen nicht singen, sondern deklamieren, und daß die Musik lediglich die in derDichtung ausgedrückten Gesühle zu unterstützen, zu fördern, fortzuleiten hat.Ausnahmsweise (wie z. B. in Büttingers Vaterunser von Mahlmann) kannja wohl auch einmal eine Gesangspiece eiugeschoben werden.

Im klassischen Griechenland gab es noch kein Melodrama, da man dort jaüberhaupt keine gesanglichen Dramen kannte; der musikalische Anteil beschränkte