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2. Elision.
Man vermeidet den Hiatus durch Elision, d.i. Auslassung des einenVokals (z. B. hoff' er, für: hoffe^er) oder durch Einschaltung einesoder mehrerer mit Konsonanten beginnender und endigender Wörter(z. B. hoffe liebend er). Die liesntia postiert, die so oft ihre Zu-flucht zur Elision nimmt, würde besser handeln, wenn sie den Vers sozu drehen und zu wenden suchte, daß die Elision vermieden würde.Ohne Mühe und Fleiß kein Erfolg im Versbauen!
Die Griechen — wie auch die Römer — vermieden den Hiatus durch einesogenannte Apokope (d. i. Weglassung des Vokals), wobei sie sodann den Apostrophsetzten (z. B. rrsi 6' für sie, Arx/Mr' für -f/rr/Äero kTrerr«); oder durcheine Synalöphe resp. Krasis (d. i. Verschleisung, Verschmelzung der beidenSilben, z. B. für ro «i-rc! oder unts illiina — untillurn). Statt elidieren
könnte man also auch apokopieren sagen. Auch bei uns schmilzt durch dieElision das gekürzte Wort mit dem folgenden gewissermaßen zu einem Wortezusammen (z. B. Und alle Tag'^in Leid und Freud' vergehn). Daher brauchtElision nicht einzutreten, wenn ein Interpunktionszeichen die beiden Wörter trennt.Sie soll aber auch nicht eintreten, wenn Härten, ungebräuchliche Wortzerreißungenund Mißverständnisse dadurch hervorgerufen werden. (Z. B. die Jäger habenHund' erschaffen; in diesem Fall könnte sonst leicht der Singular vom Hörerangenommen werden. Besser wäre schon „Hund' erhoben ein Geheul", weil„erhoben" den Plural zeigt rc.)
Trotz der Freiheiten (Licenzen), die dem Dichter gestattet sind, muß der-selbe diese und andere durch die Eigenheit unserer Sprache gestellten Forderungenbeacbten. Es können z. B. Substantiva, Verba und gleichfalls Adverbia (z. B.heute, leise) das tonlose c auch vor Konsonanten abwerfen, nicht aber aktribu-tivisch gebrauchte Adjektive, z. B. die treu' Erinnerung; der gut' Essig. DieElision ist beim Adjektiv an und für sich schwierig, da hier die Endung zur Be-zeichnung der Flexion dient. „Starke Arbeit" darf nicht elidiert werden, weilder zweite Vokal betont ist; „schöne Erfahrung" wird nicht elidiert, weil „schöne"Adjektiv ist, dessen Steigerung im Komparativ ebenso klingen würde, wie dieZusammenstellung (schön' Erfahrung ^ schöner Fahrung).
Meist ist bei der Elision das erste Wort betont, das zweite unbetont;nur beim Verbum kann es auch umgekehrt sein, z. B. Sein Freund konnt'Alles opfern.
Das Verbum gestattet auch wegen seiner Entbehrlichkeit des e in den meistenFällen die Elision. Wo freilich Verwechslungen (z. B. des Präsens mit demImperfekt) möglich sind, darf das e nicht ausgeworfen werden, z. B. er freutesich, er lebte neu aus, nicht aber: er freut' sich, er lebt' neu auf.
Bei zusammengesetzten Substantiven, wo das Grundwort ohnehinschon an Tonstärke einbüßt, würde man demselben durch Entziehung des eauch noch eine materielle Schädigung zufügen. Man vergleiche z. B. Nach-rede und Nachred; Baumstämme und Baumstamm! Stfried („Evangelienharmonie")