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angeblichen, die man vermeiden will. Einen eigentlichen Hiatus mache sein un-geschriebener, unsichtbarer Vorschlagskonsonant ganz unmöglich. Doch erkenntJordan den verpönten Übelklang dann an, wenn die Vokale zugleich auf der-selben Stufe stehen und gleiche Tonhöhe haben,'z. B. Sie^Jgel; See^eher;du^Uhu; während er behauptet, daß Fälle wie: sie"irren; See^Ecke; du^Unholdohne Übelklang ausgesprochen werden können.
Richard Wagner (Ges. Schriften Und Dichtungen Bd. VI. S. 230)scheint der Theorie des Jordanschen Vorhauchs zuzustimmen, denn er allitteriertHde^Höh; (nämlich: Selige"öde auf sonniger Höh). Bestreitet man die Ab-sichtlichkeit dieser Allitteration, so liegt ein Hiatus offenkundig vor.
Da wir kein Verständnis für Jordans Vorhauch haben, so müssen wirbei unserer Ansicht von der Verwerflichkeit des Hiatus verharren.
Schon Zesen (1640) sagt: Welcher Vernünftige, dem Ohren znr Beur-teilung des Klanges der Worte gegeben seien, würde wohl bejahen, daß dieseswohl lautete, wenn man setzen wollte: „Ich liebe"alle^Armen", da das e unda zweimal zusammenstößt. Georg Neumark (1667) will das e auch am Endeeines Verses wegwerfen, wenn der folgende mit einem Vokal beginne. Ma-gister Pfefferkorn (1669) schließt sich- dieser Forderung an. Roth (1688)gestattet eine Ausnahme, wo in der Rede ein wenig inne gehalten wird.Z. B. „Ach Schöne!"Euer Thun gefällt mir wohl."
Glcim vermeidet den Hiatus in den Kriegsliedern; Uz und Georg Jakobivermeiden ihn ebenfalls, desgleichen Geliert in der letzten Fassung seiner Ge-dichte. Lessing gestattet den Hiatus in der Cäsur des Alexandriners. Wie-lands Verse sind nicht ganz rein vom Hiatus (in 584 Versen des Oberonfinden sich 5 Fälle). Klopstock und Voß sind sehr streng in Vermeidung desHiatus, desgleichen Bürger. Hölty findet den Hiatus zulässig! ebenso Goethe,der sich sogar den Gleichklang aus- und anlautender Worte gestattet.Z. B. Je"eher du zu"uns zurücke kehrst (im Tasso).
Die Romantiker (vor allem Tieck, sowie auch Schiller und Rückcrt) warensehr unachtsam gegen den Hiatus. Trotzdem wird ihn niemand für nach-ahmenswert erklären, da jeder metrische Vers durch den Hiatus mindestens anWohllaut wie an Kraft des Rhythmus einbüßt.
Scherer sagt: „Niemand soll nachahmen, was wir Schiller gern ver-zeihen; es ist gut, daß er keine seiner kärglich zugezählten Minuten auf dieWegschaffung von Hinten gewendet hat. Unsere großen Dichter wußten, wieviel der ernste Wille und strenge Arbeit in der Kunst bedeutet; die aller-jüngsten Knirpse denken, der Herr müsse es ihnen im Schlafe schenken.— Ich fürchte nicht, daß nach der Epoche der Bummelpoesie, in der wir jetztstehen, schon das Nichts kommt, daß der jammervolle Verfall unserer Lyrik ....schon das vorläufige Ende bedeute. Ich glaube noch an die Möglichkeit einesAufschwungs und möchte deshalb diejenigen, welche berufen sind, dafür zuwirken, auf die Formenstrenge des vorigen Jahrhunderts verweisen, die zumSieg führte."