Band 
Erster Band.
Seite
344
JPEG-Download
 

344

In viertaktigcn Anapästen, denen in einzelnen Zeilen Jamben eingefügtsind, ist die Löwenbraut von Chamisso geschrieben, ferner Schillers DesMädchens Klage, Herders Eistanz u. s. w. Auch in Platens roman-tischem -6dipus finden wir viertaktige Anapäste, deren erster Takt oft ein Jambusist. In Bürgers Lied vom braven Mann sind die beiden letzten Verszeilenjeder Strophe ebenso gebildet. DaS von Platen in Nachbildung des SchahNameh-Versmaßes angewandte Metrum (Werke II. 333) wurde mehrfachals anapästisch aufgefaßt, während Platen an den Kretikus dachte und dem-zufolge gelesen haben will:

8 Herr, dem die Herrschaft der Welt angehörtUnd dein mein Gemüt hier Gehorsam beschwört rc.

In einer Anzeige von Schacks Firdusi (Augsb. Allg. Ztg. Nr. 130.Jahrg. 1877) nennt Bodenstcdt dieses Versmaß persisch: Mutakarib undteilt eine von ihm selbst übersetzte Probe mit, die so beginnt:

Als Staub j vor uns auf j stob vom Feind j näh im Feld,

Wie bleich ward das Antlitz da jed wcdem -Held! rc.

Eine Reihe kürzerer Anapäste mit Schlußvers heißt Anapästensystem.

Beispiele:

a. Anapästische Verse.

Und sie sprachen: „Was brauchen wir fürdcr des Herrn?

Mag im Blauen er thronen, wir gönnen's ihm gern;

Doch die Erd ist für uns, wir sind Könige draus,

Laßt uns schwelgen und glühn, sie beschert uns vollauf" rc.

(Geibels Babel.)

Ich will euch erzählen ein Märchen gar schnurrig;

Es war 'mal ein Kaiser; der Kaiser war kurrig u. s. w.

(Bürger, Der Kaiser und der Abt.)

(Die vorstehenden Verse können auch als gute Amphibrachen skandiert werden:

Wir singen und sagen vom Grafen so gern,

Der hier in dem Schlosse gehanset,

Da wo ihr den Enkel des seligen Herrn,

Den heute vermählten, beschmauset.

Nun hatte sich jener im heiligen KriegZu Ehren gestritten durch mannigen Sieg,

Und als er zu Hause vom Rösselein stieg,

Da fand er sein Schlösselein oben;

Doch Diener und Habe zerstoben. (Goethe, Hochzeitslied.)

(Die beiden letzten Verszeilen sind katalektische Viertakter.)

O wären wir weiter, o wär' ich zu Haus!

Sie kommen, da kommt schon der nächtliche Graus;

Sie sind's die unholdigcn Schwestern.

Sie streifen heran und sie finden uns hier,

Sie trinken das mühsam geholte das Bier,

Und lassen nur leer uns die Krüge.

(Goethe, Der getreue Eckart.)