399
Diesem schon 1814 gedichteten Liede setzte Rückert 1863 die nachfolgendendrei Strophen zu (Vgl. meine Neuen Mitteilungen über Rückert. I. 223.und 240.):
Roland, der Ries', amRathaus zu Bremen,
Hamburg und LübeckLegt er in Acht.
Roland, der Ries', amRathaus zu Bremen,
Feige, wer fürchtetDänische Macht!
Roland, der Ries', amRathaus zu Bremen,
Furchtlos den FeindenBeut er die Schlacht.
Man lernt aus diesem Beispiele Rückerts, wie der Dichter durch dieallitterierenden zwei oder drei Anfangskonsonanten die ihn bewegende Vor-stellung sinnlich anklingen läßt; wie er ferner solche Wörter wählt, die denEindruck möglichst wahr und anschaulich wiedergeben; wie er endlich strebt,daß jedes neue Wort der Hauptvorstellung ähnlich klinge, um schon durch denKlang an dieselbe zu erinnern. Dies ist aber — wie S. 397 gelehrt wurde— die Ausgabe der Allitteration; sie soll den Eindruck der Hauptvorstellungfort erhalten, währen machen durch die Hauptlaute der die Fortdauer bezeich-nenden (sich im Anfangsbuchstaben ähnelnden) Wörter.
l>. Jede Zeile hat 4 Stäbe, die nicht sämtlich allitterieren.
Rüpel, ja! Die Rüpel raufen,
Hören nicht auf Rat und Red,
Rüpel rotten sich zu Haufen,
Reizen alles auf zur Fehd!
Rüpel rauh und Rüpel schlau,
Raisonnieren ohne Not,
Rechnen rüpelhaft genau, —
Runkse sind's bis in den Tod!
(Müller von der Werra, Rüpellied.)
e. Jede Zeile hat 4 Stäbe mit beliebigen Thesen.
Die Maid der Maide erzog mich die Mutter (mich ist nicht allit-terierend)
Im leuchtenden Saal. Ich liebte die Bruder, .
Bis mich Giuki mit Gold bereifteMit Gold bereiste und Sigurdcn gab.
So war Sigurd bei den Söhnen GiukisWie über Halme sich hebt edler Hauch,
Wie der Hirsch ragt über Hasen und Füchse
Und glutrotes Gold scheint über graues Silber.