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- 2. Indem die nicht reimenden Klänge dem Ohre rascher entschwinden,werden die Hauptvorstellungen aus die reimenden Klänge zurückgeführt, dienun den Versen einen bestimmten Klangcharakter verleihen. Sie führen diedurch sie ausgedrückten Vorstellungen unserem Sinne näher und prägen siehastend ein.
3. Die ästhetische Wirkung beruht darin, daß der Reim den VersenSchmuck und Klang verleiht. Die versiegelnde Tendenz beweist erdadurch, daß er einesteils trennend und gliedernd, andernteils verbindendund verknüpfend wirkt:
a. trennend und gliedernd,
indem er die Grenzen der einzelnen Verse betont und mehrere Verse als ein-heitliches Ganzes — als Strophe — darstellt;
d. verbindend und verknüpfend,
indem er den Versausbauenden Rhythmus wunderbar verstärkt. Wenn auchder Rhythmus des Reims entbehren kann, so kann doch der Reim den Rhyth-mus nicht missen. Der Reim bindet — so zu sagen — musikalisch. Wiein einem schönen Tonlicht beglänzt und konzentriert sich die rhythmische Tonwelleder Verszeile im schärfer betonten, durch eine rhythmische Pause markiertenReim, um in der korrespondierenden Zeile wie von Turmspitze zu Turmspitzehüpfend, Accent und Pause zu wiederholen.
138. Arten des Vollreims.
Je nach der Endung der reimenden Worte, ferner nach der Silben-zahl derselben (ob ein-, zwei- oder mehrsilbig), endlich nach dem Ver-hältnis der reimenden Worte untereinander unterscheidet man folgende15 Arten des Vollreims:
1. männlichen Reim, 2. weiblichen, 3. gleitenden, 4. schwebenden,5. Doppelreim, 6. identischen, 7. reichen Reim (Ghaselenreim), 8. mehr-fachen Reim^ 9. Anfangsreim, 10. Binnenreim, 11. Mittelreim,12. Kettenreim, 13. Echo, 14. Kehrreim, 15. Schlußreim.
1. Männlicher (sambischer oder stumpfer) Reim.
Wie man die Endung eines Wortes männlich nennt, wenndieses mit einer Hebung schließt, (z. B. Gebrauch, Verstand), weiblich,
wenn es mit einer Senkung endigt, (z. B. Liebe, Glaube, Hoffnung),so nennt man auch den Reim männlich oder weiblich, je nachdem ermit einer Arsis oder Thesis endigt, (z. B. Haus — Maus, Thal —Strahl sind männlich; Tische — Fische, Worte — Pforte sind weiblich).
Weil die Arsis häufig durch ein einsilbiges Wort und der männlicheReim überhaupt nur durch die letzte Silbe der Vcrszeile gebildet wird, sonennt man ihn zuweilen auch den einsilbigen Reim. Die Minnesinger