429
1
Vgl. hierzu noch die Nückertschen Gedichte: Nachtwache, Brief an dieMutter, An den Gevatter Kupferstecher Barth, Meine Ansicht, Das Weinhaus,sowie das schöne Beispiel F 152 II. 1 ä. Weiter vgl. Goethes „Dreistigkeit"(im Westöstl. Divan) mit Reimen wie Laut stört — aufhört, Erzklang —Herz bang rc. Ferner die „Schwergereimte Ode an Reimbold" von I. H. Voßund dessen „die Versuchung" mit Reimen wie Rcimsucht — Honigseimsucht,Harzwald — schwarz wallt. Ferner Glaßbrcnners Verkehrte Welt (9. Kap.)mit Reimen wie gedacht ich — Pracht dich, acht ich — lacht ich rc. FernerPlatens verhängnisvolle Gabel mit Reimen wie nicht mehr — Menschengesichtmehr, reich sein — zugleich sein. rc.
d. Steigend spondeische:
Die Ernt ist wie die Saat, drum was ihr sät, seht!
Ein Thor, wer früh versäumt hat und zu spät späht,
Wie wer den Braten wegwirft und das Brett brät,
Wer nie dem Rater folgt, der, was mißrät, rät,
-Und nie, was er gebaut, zerstört, der steht st ätAuf dieser irdischen Welt, die selbst nicht stät steht.
(Rückerts Makamen S. 98.)
u. Ooxpelreime mit einer oder zwei tonlosen Silben.
u. Sinkend-spondeische Doppelreime mit tonloser Schlußsilbe.
Heute kamen die KlanggeisterMeiner persischen Sangmeister,
Die mich hatten geflohn lange,
Wie vor'm ernsteren Ton bange,
Oder nur mich besucht hatten,
Ähnlich streifenden FluchtschattenÜber sommernden Fruchtmatten rc.
Als nun der mit dem KlingklangcWar vom kriegrischen SingsangeAbgetreten, da blieb aberHinter ihm auch ein LiebhaberNicht zurück, der mit schmerzreichenTönen, spielenden, scherzgl eichen,
So mir machte das Herz weichen.
(Rückert, Die Klanggeister.)
b. Doppelreime mit der tonlosen Silbe an der ersten reimen-den Arsis (— kretischer oder amphimakrischer Reim).
«. Wie auf Feindcshaupt im Kampf die Klinge klangSchlangengleich um Nacken sich die Schlinge schlangWie der Stahl am Panzer donnernd schlug den Schlag,
Daß ein Blitz hervor aus jedem Ringe rang.
(Man beachte bei diesen Versen Rückerts die gewandte Verbindung des Reimsmit der Allitteration!)
L. Ich sang dem Herrn zu hoher Lust,
Ein müder Mann aus froher Brust,
Dem Herren giebt mein Mund den PreisUnd lobt die Arbeit und den Schweiß.
(Pocci.)