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IV. Dir dtiitsch-mtionalrn Strophen der Gegenwart,tz 138. Erklärung und Einteilung.
1. Neben den bisher aufgeführten Strophen, die in unserer poetischenLitteratur größere oder geringere Verwendung fanden, giebt es noch jenestattliche Anzahl deutsch-nationaler Strophenformen, die zum Teilaus früheren Perioden unserer Litteratur steh Herschreiben, zum Teilaber der dichterischen Schöpfungskraft unseres Volkes in den letztenJahrhunderten entsprossen find. Neben ihrer Verfchiedenartigkeit inBezug auf Rhythmus und Zeilenlänge unterscheiden sie sich besondersdurch ihre außerordentlich mannigfaltige Reimstellung und durch ihreZeilenzahl.
2. Zeilenzahl und Reimstellung bedingen ihre Gruppierung.
3. Die historische Entwickelung der einzelnen Strophenformendarzustellen wäre eines Versuchs würdig.
1. Welcher weltumfassenden Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit unsereStrophen fähig sind, dürfte sich schon auS dem Hinblick auf die Anzahl derzu ihrem Ausbau verwendbaren Metren ergeben. Jedes Metrum läßt aberwieder je nach der Taktanzahl der einzelnen Verse eine beliebige Anzahl vonStrophenverschiedenheiten zu. Hierzu kommt die durch Reimstellung rc. sichergebende Mannigfaltigkeit und die Verschiedenheit im Verhältnis der Zeilen-längeu u. s. w.
2. Wir teilen die deutsch-nationalen Strophen am besten in zwei-,drei-, vier- bis zwanzigzeilige und vielzellige Strophen ein.
Die einzelnen Formen und Modifikationen dieser zwei- bis vielzelligenStrophen behandeln wir bei deren Vorführung in den nachfolgenden Para-graphen.
Die entlehnten Bezeichnungen Distichon, Tristichon, Tetrastichon rc.finden wir bei deutschen Strophen nicht angemessen.
3. Interessant wäre der Nachweis, wie sich die einzelnen Strophenformenbis in die Neuzeit auseinander entfaltet haben: wie also z. B. die drei-zeilige Strophe durch Hinzufügung eines einzeiligen Abgesangs aus demReimpaare sich bildete, wie die vierzeilige Strophe durch Brechung desLangzeilen-Reimpaars entstand, wie die fünszeilige Strophe durch Anfügeneines einzeiligen Abgesangs aus der vierzeiligen Strophe sich entwickelte, wieferner die fünfzeilige Strophe a uj k b § o — oder a t> § u b § u — durchHinzufügung des o oder ö Reimes zur sechsseitigen Strophe bindrängte, wiedie tzeilige mit Zzeiligem Abgesang eine siebenzeilige, in ihrer Verdoppelungaber eine achtteilige Strophe bildete u. s. w.
Wir deuten das Nötige bei den nachstehend aufzuführenden Strophen-sormen an.