Band 
Erster Band.
Seite
655
JPEG-Download
 

65ö

Beispiele:

Grasemückchen,

An dem Brückcheu,

. Trink' ein Schlückchen,

Fang' ein Mückchen,

Sing' ein StückchenGrasemückchen!

Alle BruderSingen LiederHin und wieder;

Sträub's Gefieder,

Sing' sie nieder,

Alle Brüder! u. s. w.

(Rückert, Ges. Ausg. II, 478, Vgl. auch II. 349. No. 68.)

2. L d a 1i a k.

Sie ist eine monotone, wenig gebräuchliche Strophe, wahrscheinlich weilsie — wie die Siciliane — keine« charakteristischen Strophenabschlnfi bietet.

Um dem fortdrängenden n K einen Damm entgegen zu setzen und dasstrophische Moment zu charakterisieren, hat Rückert die vorletzte Zeile verkürztund die letzte verlängert. — Von den Dichtern der Gegenwart wandte dieseStrophe außer Rückert an: Julius Bercht (Der goldne Mai), Eichendorff (Ach,was frommt das Wehen), dessen Strophenschluß wegen des identischen Reimsunbefriedigt läßt.

Beispiele:

Auf der Kindheit frühsten SecueuIn« ErinnrungsdämmerscheiuSeh' ich um mich stehn zwo Lenen,

Beide meine Schwesterlein.

Alles kam von denen.

Was von zarter Poesie ist mein. (Rückert.)

Gieße deine Blütenschale,

Frühling, über Berg und Thal,

Lade uns zum Göttermahle!

Endlos war die Winterqual:

Da, mit flammendem PokaleTritt der Holde in den Saal.

(Julius Bercht, Der goldue Mai.)

8. n l, u ft o L. (Schillers Lehr- und Anapästenstrophe.)

Diese wirkungsvolle Strophe, welche nach Art der Oktave mit einenrkräftigen Reimpaare abschließt, ist mehr als andere sechszeilige Strophen be-fähigt, einer Lehre kräftig wirkenden Nachdruck zu verleihen. Ihr schönesEbenmaß räumt der logischen Ausbreitung des Gedankens vollen Spielraumein. Dies ist wohl der Grund ihrer überaus häufigen Verwendung. Schillerder in dieser Strophe (vgl. Die vier Weltalter, und Worte des Glaubens) einejambiscki anapästische Form von großer Nachsolge schuf, bediente sich ihrer