Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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2. Wir empfehlen für die vorstehende, komplizierte Einteilung die nach-folgende, einfachere Nubrizierung:

u. rein ernste Volkslieder, die von Liebe, Trennung, Wiedersehen,vom Wandern und der Natur handeln,

1>. heitere, von Wein, Geselligkeit und Spott übersprudelnde,c. historische.

Beispiele des Volksliedes.

u. Ernste Volkslieder.

Die Macht der Thränen.

Es kam von einer Neustadt her,

Eine Witwe sehr betrübet;

Es war gestorben ihr liebes Kind,

Das sie von Herzen geliebet.

Sie ging einmal in's Feld hinaus,

Ihre Traurigkeit zu lindern;

Da kam das liebe JesuleinMit so viel weißen Kindern.

Mit weißen Kleidern angetan,

Mit Himmelsglauz verkläret,

Mit einer schönen EhrenkronWar'n diese Kinder gezieret.

lind als die Mutter ihr Kind erblickt,

Schnell that sie zu ihm laufen.

„Was machst du hier, mein liebes Kind,

Daß du nicht bist beim Haufen?"

„Ach Mutter, liebste Mutter mein,

Der Freud' muß ich entbehren;

Hier hab' ich einen großen Krug,

Muß sammeln Eure Zähren."

„Habt Ihr zu weinen aufgehört,

Vergessen Eure Schmerzen,

So find' ich Ruh' in dieser Erd',

Das freute mich von Herzen."

Ein schlichtes, schmuckloses, im Rhythmus ungekünsteltes Volkslied ohneReim, bei dem die ergreifenden Worte: „verdorben, gestorben" gewissermaßendie unausgesprochene Moral des Ganzen sind, ist das folgende:

Weder Glück noch Stern. (Simrock 94.)

Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,

Wohl über die schönen Blaublümelein,

Sie sind verwelket, verdorret.

Es hatt' ein Knab' ein Mädchen lieb,

Sie liefen heimlich von Hause fort,

Es wußt's nicht Vater noch Mutter.

Sie liefen weit in's fremde Land,

Sie hatten weder Glück noch Stern,

Sie sind verdorben, gestorben rc.