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schönen Formen spricht figürlich zu uns, und die Auslegungsgabe ihrer Chiffren-schrift ist uns im moralischen Gefühl verliehen." Von diesem Gefühl ist zuverstehen, was er in dem tiefsinnigen prosaischen Fragment „Grund zumEmpedokles" sagt: „Natur und Kunst sind sich im reinen Leben nur harmonischentgegengesetzt. Der organischere, künstlichere Mensch ist die Blüte der Natur,die selbstlose Natur, wenn sie rein gefühlt wird von rein organisierten, reinin seiner Art gebildeten Menschen, giebt ihm das Gefühl der Vollendung."Hölderlin feiert die Natur als die „allduldende", denn sie duldet nicht alleindas in ihr selbst vorhandene Übel, sondern auch den an ihr und sich irr-gewordenen Geist, von dem sie gleichwohl ihre Erlösung allein zu hoffen hat.
Eigentümlich gesühlsinnig, mit Vorliebe für das Wunderbare sind nochdie Naturlieder des heiteren, seelenvollen, volkstümlichen und melodiereichenschwäbischen Sängers Eduard Mörike. Wertvolle Naturlieder haben sonst nochdie unten in den Beispielen zu nennenden Dichter geliefert.
Beispiele der Naturlieder:
u. An die Natur.
Süße, heilige Natur,
Laß mich gehn auf deiner Spur,
Leite mich an deiner Hand,
Wie ein Kind am Gängelband!
Wenn ich dann ermüdet bin,
Sink' ich dir am Busen hin,
Atme reine HimmelsluftHangend an der Mutterbrust.
Ach! wie wohl ist mir bei dir!
Will dich lieben für und für;
Laß mich gehn auf deiner Spur,
Süße, heilige Natur!
(Friedr. Leop. Gras zu Stolberg, s 1819.)
b. Im April.
Du feuchter Frühlingsabend,
Wie hab' ich dich so gern —
Der Himmel wolkenverhangen,Nur hie und da ein Stern.
Wie leiser LiebesodemHauchet so lau die Luft,
Es steigt aus allen ThatenEin warmer Veilchenduft.
Ich möcht' ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich;
Und kann den Klang nicht finden,So dunkel, mild und weich.
(Geibel)